Der Goldpreis gibt nach, doch die US-Bank Morgan Stanley bleibt gelassen. Sie erwartet, dass das Edelmetall in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 erneut die Marke von 5.000 Dollar übersteigt. Rücksetzer sieht sie als Einstiegschance.
Gegenwind von Renditen und Dollar
Das Umfeld ist rau. Die langfristigen Anleiherenditen liegen auf dem höchsten Niveau seit zwei Jahrzehnten, der US-Dollar hat aufgewertet, und der Ölpreisanstieg hält den Inflationsdruck hoch. Gestern fiel Gold um knapp 2 Prozent und rutschte zeitweise unter 4.100 Dollar je Unze.
Amy Gower, bei Morgan Stanley für die Strategie im Metall- und Bergbausektor zuständig, sieht dennoch eine tragfähige Unterstützung oberhalb von 4.000 Dollar. Bislang hat das Metall diese Marke gehalten.
Den jüngsten Rückgang führt sie zum Teil auf technische Verkaufssignale zurück. Computergesteuerte Fonds hätten reagiert, nachdem viele Anleger im August ihre Positionen aufgestockt hatten. Langfristig orientierte Käufer blieben dagegen aktiv und könnten niedrigere Kurse zum Einstieg nutzen.
Den gängigen Zusammenhang zwischen starkem Dollar und schwachem Gold hält Gower nicht für dauerhaft. Über längere Zeiträume sei die statistische Beziehung deutlich weniger ausgeprägt. In Phasen großer Unsicherheit könnten sogar beide gleichzeitig steigen, weil Anleger in beiden Schutz suchen.
China und Zentralbanken stützen die Nachfrage
Die physische Nachfrage bleibt solide. Zentralbanken, darunter jene Chinas und Polens, kaufen weiter. China hat in den ersten acht Monaten dieses Jahres mehr als 1.000 Tonnen Gold importiert, mehr als im gesamten Vorjahr. Hinter dem Boom stehen nicht nur staatliche Stellen, sondern auch ETFs und private Anleger. Auch Goldfonds verbuchen Zuflüsse, obwohl die US-Zinsen steigen.
Entlastung könnte von den Rohstoff- und Zinsmärkten kommen. Geben die Ölpreise nach oder sinken die Anleiherenditen, rückte das Ziel von 5.000 Dollar nach Einschätzung der Bank schneller in Reichweite. Bis dahin entscheidet sich an der Marke von 4.000 Dollar, ob die These von der stabilen Unterstützung trägt.
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