Vier Wochen Minus am Stück — und das bei einem Preis, der noch im Januar nahe 5.600 US-Dollar lag. Gold hat sich zum Wochenschluss zwar stabilisiert, kämpft aber weiter mit dem Gegenwind aus der US-Geldpolitik. Der Freitagsschlusskurs lag bei 4.091 US-Dollar je Unze — ein Tagesplus von rund 1,2 Prozent, das den Wochenverlust von knapp 2 Prozent aber nicht wettmacht.

Inflationsdaten geben kurzfristig Entlastung

Der Auslöser für die Freitagserholung: neue PCE-Daten aus den USA. Der bevorzugte Inflationsindikator der Fed stieg im Mai auf 4,1 Prozent im Jahresvergleich — der höchste Stand seit über drei Jahren. Entscheidend war jedoch die monatliche Rate. Sie lag bei 0,4 Prozent und damit unter den erwarteten 0,5 Prozent.

Das reichte, um Zinserhöhungserwartungen zu dämpfen. Die Wahrscheinlichkeit eines Fed-Schritts im Juli fiel laut FedWatch-Tool von 38,5 auf 29,9 Prozent. Ein schwächerer Dollar verstärkte den Effekt: Gold wird in Dollar gehandelt, ein günstigerer Dollar macht es für internationale Käufer attraktiver.

Allerdings bleibt die Geldpolitik restriktiv. Fed-Mitglied Neel Kashkari hält für 2026 an einer weiteren Zinserhöhung fest. Zinssenkungen schließt er aus.

Zentralbanken kaufen so viel Gold wie seit Jahrzehnten nicht

Während kurzfristige Zinsspekulationen den Preis belasten, stützen langfristige Käufer den Markt. Eine aktuelle Umfrage des World Gold Council unter 76 Zentralbanken zeigt: 89 Prozent erwarten steigende globale Goldreserven in den nächsten zwölf Monaten. Noch markanter: 45 Prozent planen, ihre eigenen Bestände aktiv aufzustocken — ein neuer Rekordwert in der Erhebung.

Die Motive sind Inflationsschutz, Krisenresistenz und Diversifikation weg vom Dollar. Die weltweiten Zentralbankbestände liegen bereits auf einem 50-Jahres-Hoch von über 36.000 Tonnen.

Technik zeigt Überverkauf — aber kein klares Signal

Das charttechnische Bild bleibt belastet. Gold weist ein „Death Cross“ auf: Der 50-Tage-Durchschnitt liegt mit rund 4.481 US-Dollar deutlich über dem aktuellen Kurs — ein klaffender Abstand von fast 9 Prozent. Der RSI liegt bei 36 und signalisiert damit kurzfristig überverkaufte Bedingungen. Die 4.000-Dollar-Marke hält als Unterstützung. Widerstände liegen zwischen 4.100 und 4.150 US-Dollar.

Die nächste Richtungsentscheidung fällt am 2. Juli. Dann veröffentlicht das US-Arbeitsministerium die Nonfarm Payrolls. Starke Jobdaten würden Zinserhöhungserwartungen neu befeuern — und den Druck auf Gold wieder erhöhen. Schwache Zahlen könnten das Gegenteil bewirken und die überverkaufte Lage in eine technische Erholung umwandeln.