Während der Goldpreis am Freitag unter dem Eindruck der hawkischen Jackson-Hole-Rede von Fed-Chef Kevin Warsh nachgab, richtet sich der Blick vieler Anleger inzwischen auf einen anderen Faktor: die Schuldenpolitik der USA. Das amerikanische Finanzministerium hatte Mitte August angekündigt, das Rückkaufvolumen für langfristige Staatsanleihen ab September auf 4 Milliarden USD pro Sitzung zu verdoppeln. Der Goldpreis reagierte darauf mit einem Anstieg auf ein Dreimonatshoch von 4.598,99 USD je Unze.
Die Maßnahme gilt als Signal dafür, dass Washington die Liquidität im Anleihemarkt aktiv stützen will. Für Goldanleger ist das ambivalent: Einerseits deutet ein solches Vorgehen auf anhaltend hohe Staatsverschuldung und potenziellen Abwertungsdruck auf den Dollar hin, was Gold historisch begünstigt.
Andererseits zeigt es, dass die Notenbank und das Finanzministerium bereit sind, mit unkonventionellen Instrumenten gegenzusteuern, sollte sich die Finanzierungslage verschärfen.
Warsh dämpft die Rally kurzfristig
Die Ankündigung aus dem Finanzministerium fiel zeitlich mit einer Phase zusammen, in der schwächere US-Konjunkturdaten – darunter Arbeitsmarktzahlen, Einzelhandelsumsätze und Inflationsindikatoren – die Markterwartung einer Fed-Zinserhöhung im September zunächst dämpften.
Genau das drehte sich am Donnerstag: Warsh signalisierte in seiner Rede in Jackson Hole eine strikte geldpolitische Haltung, woraufhin die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September auf rund 50 Prozent stieg.
Ein festerer Dollar und hartnäckige Inflationssorgen bremsten daraufhin den Aufwärtstrend beim Gold. Am Freitag gab der Kurs um 3,2 Prozent nach und schloss bei 4.454,60 USD je Feinunze.
Der Rückgang relativiert sich allerdings im Jahresverlauf: Auf Sicht von 30 Tagen steht Gold noch immer mit 9,5 Prozent im Plus, getragen von genau jener Dynamik rund um die Anleihe-Rückkäufe und die Nachfrage der Notenbanken.
Notenbanken bleiben strukturelle Käufer
Der World Gold Council meldete Ende Juli, dass Zentralbanken im zweiten Quartal netto 288,9 Tonnen Gold gekauft haben – ein Anstieg von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und der stärkste Q2-Wert in der Historie der Organisation.
Die Käufe verteilten sich breit über mehrere Länder: Polens Nationalbank stockte um 51 Tonnen auf und kommt im ersten Halbjahr auf insgesamt 82 Tonnen bei einem Gesamtbestand von 632 Tonnen. Chinas Zentralbank kaufte 33 Tonnen hinzu, der größte Quartalszuwachs seit Ende 2023. Auch Usbekistan, Kasachstan, Jordanien und Tschechien bauten ihre Bestände weiter aus.
Diese strukturelle Nachfrage bleibt aus Sicht vieler Marktbeobachter der wichtigste langfristige Preistreiber – unabhängig von kurzfristigen geldpolitischen Signalen wie jenem aus Jackson Hole.
Die Kombination aus staatlicher Anleihenpolitik und anhaltenden Notenbankkäufen zeigt, dass die Nachfrage nach Gold als Reserve- und Absicherungsinstrument auf mehreren Ebenen gleichzeitig zunimmt, selbst wenn kurzfristige Zinserwartungen den Preis phasenweise belasten.
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