Der Goldpreis notiert am Montag bei 4.107,00 US-Dollar je Feinunze und liegt damit 0,20 Prozent über dem Niveau vom Freitag. Trotz der Entspannung im Nahost-Konflikt bleibt der Goldmarkt gefragt – getragen vor allem von einer strukturellen Nachfrage, die weit über tagesaktuelle Nachrichten hinausreicht.
Iran-Gespräche drücken Ölpreis, Dollar gibt nach
US-Präsident Trump hat einen geplanten Angriff auf Iran gestoppt und für den heutigen Montag Gespräche mit Teheran angekündigt. Die Nachricht ließ den Ölpreis deutlich fallen – Brent-Futures verloren mehr als vier US-Dollar je Barrel, an manchen Handelsplätzen wurden Abschläge von über sechs Prozent gemessen. Iran selbst bestreitet allerdings, um eine Unterbrechung der Angriffe gebeten zu haben, die Alarmbereitschaft in der Region bleibt erhöht.
Für den Goldpreis wirkte die Entwicklung zunächst wie Gegenwind, dann aber wie Rückenwind zugleich. UBS-Analyst Staunovo erklärte, ein niedrigerer Ölpreis dämpfe die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank – ein Umstand, der zinslosem Gold grundsätzlich zugutekommt. Gleichzeitig schwächte sich der US-Dollar ab, nachdem Japan und die USA gemeinsam am Devisenmarkt intervenierten, um den Yen zu stützen. Ein weicherer Dollar macht Gold für Käufer außerhalb der USA günstiger und stützt damit die Nachfrage. Commerzbank-Analysten verweisen zudem auf die Erholung des Ölpreises von seinen Tiefs und anhaltende Inflationssorgen, die Gold weiterhin als Absicherung attraktiv machten. Die US-Notenbank hatte ihren Leitzins zuletzt bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen, wobei drei Mitglieder für eine Erhöhung votierten – Fed-Chef Warsh verzichtete zugleich auf konkrete Forward Guidance, was die Unsicherheit über den weiteren Zinspfad hochhält.
Zentralbanken kaufen so viel wie seit Ende 2024 nicht mehr
Die eigentliche Stützung des Goldpreises kommt derzeit aber nicht aus der Geopolitik, sondern aus den Bilanzen der Notenbanken. Nach Angaben des World Gold Council kauften Zentralbanken im zweiten Quartal netto rund 289 Tonnen Gold – ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und der größte Quartalszuwachs seit dem vierten Quartal 2024. Für das erste Halbjahr summiert sich der Nettozukauf auf etwa 345 Tonnen. Polen war mit 82 Tonnen der größte Einzelkäufer und hält damit inzwischen 632 Tonnen Gold, bei einem erklärten Ziel von 700 Tonnen. China kaufte 33 Tonnen hinzu, Usbekistan 16 Tonnen. Nach Einschätzung der Analysehäuser Bloomberg Intelligence dürften Zentralbanken künftig mit 200 bis 225 Tonnen pro Quartal weiterkaufen.
Die Gesamtnachfrage nach Gold blieb im zweiten Quartal mit rund 1.269 Tonnen nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr, für das erste Halbjahr ergibt sich ein Wert von etwa 2.522 Tonnen – umgerechnet rund 380 Milliarden US-Dollar. Während Zentralbanken kräftig zukauften, zogen Anleger aus Gold-ETFs per saldo 45 Tonnen ab, auch Barren und Münzen verzeichneten ein leichtes Minus. Der Rückgang bei physischer Anlegernachfrage zeigt: Der Goldmarkt wird derzeit weniger von privaten Investoren als von institutionellen und staatlichen Akteuren getragen.
Tether wird zum Schwergewicht am Goldmarkt
Ein neuer, wachsender Akteur mischt inzwischen ebenfalls mit: Der Stablecoin-Emittent Tether kaufte im zweiten Quartal 14 Tonnen Gold und hält damit insgesamt mehr als 146 Tonnen im Wert von rund 18,8 Milliarden US-Dollar. Gold macht damit etwa zehn Prozent der gesamten Reserven des Unternehmens von 187,8 Milliarden US-Dollar aus. Tether-Chef Ardoino betonte, die Reserven überstiegen die Verbindlichkeiten um 4,11 Milliarden US-Dollar. Der Umlauf des Stablecoins USDt kletterte zugleich auf 184,6 Milliarden US-Dollar, was einem Marktanteil von über 60 Prozent entspricht.
Charttechnisch neutral, fundamental gestützt
Mit Blick auf die Chartlage zeigt sich der Goldpreis derzeit weder überkauft noch überverkauft. Nach dem Rekordhoch von 5.626,80 Dollar Ende Januar liegt der Preis gut 27 Prozent darunter – ein deutlicher Rücksetzer, der die Erwartungen an ungebremst steigende Preise zumindest kurzfristig gedämpft hat. Der Rückgang folgte einem Ausverkauf im Frühsommer, seither hat sich das Metall aber stabilisiert und von seinem 52-Wochen-Tief aus dem Oktober wieder erholt. Anleger richten den Blick nun auf den anstehenden US-Arbeitsmarktbericht sowie auf den Ausgang der für heute angesetzten Iran-Gespräche – beide Ereignisse dürften kurzfristig über Richtung und Tempo der nächsten Kursbewegung entscheiden, während die strukturelle Nachfrage der Zentralbanken den Preis mittelfristig weiter stützen dürfte.
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