Steigende US-Anleiherenditen bringen den Goldpreis ins Wanken. Das Edelmetall schloss die Woche bei 4.127,60 US-Dollar je Feinunze und verlor auf Wochensicht 1,43 Prozent. Der Grund: Der Zinsvorteil von Gold gegenüber festverzinslichen Papieren schrumpft.

Iran-Spannungen heizen Inflationssorgen an

Eine militärische Eskalation zwischen den USA und dem Iran in der Straße von Hormus trieb zuletzt die Ölpreise nach oben. Das schürt Inflationssorgen. Die Anleihemärkte reagierten prompt.

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte über 4,5 Prozent. Zweijährige Papiere rentieren mittlerweile über 4,2 Prozent. Diese Entwicklung stärkt den US-Dollar und setzt den in Dollar notierten Goldpreis zusätzlich unter Druck.

Die Markterwartung einer restriktiven Fed-Politik verfestigt sich. Laut dem FedWatch-Tool der CME Group taxieren Anleger die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September mittlerweile auf 63 Prozent. Vor einer Woche lag dieser Wert noch bei 54 Prozent.

Asien kauft, der Westen verkauft

Während nordamerikanische Gold-ETFs im ersten Halbjahr Abflüsse in Milliardenhöhe verzeichneten, greifen Indien und China kräftig zu. Beide Länder nutzen die jüngsten Kursrückgänge für umfangreiche Zukäufe. Die asiatischen Rekordkäufe gleichen einen Großteil der westlichen Verkäufe aus.

Auch Zentralbanken bleiben verlässliche Käufer. Schätzungen zufolge halten die globalen Notenbanken ihr Kauftempo von rund 1.000 Tonnen Gold pro Jahr auch 2026. Sie diversifizieren damit ihre Währungsreserven und sichern sich gegen geopolitische Risiken ab.

Der Blick auf das Gesamtjahr zeigt die Schwankungsbreite deutlich. Gold notiert derzeit 26,64 Prozent unter seinem Rekordhoch von 5.626,80 US-Dollar aus dem Januar. Zum Jahrestief von Ende Oktober 2025 beträgt der Abstand dagegen nur 5,8 Prozent. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 4.365,48 US-Dollar — Gold notiert damit 5,45 Prozent darunter, ein Zeichen für den anhaltenden kurzfristigen Abwärtsdruck.

US-Inflationsdaten als nächster Test

Kommende Woche richtet sich der Blick auf die US-Verbraucherpreisdaten. Sie gelten als wichtigster Indikator für den weiteren Fed-Kurs. Fällt die Inflation höher aus als erwartet, dürfte der Druck auf Gold durch steigende Renditeerwartungen weiter zunehmen.

Charttechnisch bleibt die Zone um 4.102 US-Dollar eine wichtige kurzfristige Unterstützung. Ein nachhaltiger Rückfall unter die Marke von 4.000 US-Dollar könnte weiteres Abwärtspotenzial bis 3.800 US-Dollar eröffnen. Ein Ausbruch über den Widerstand bei 4.130 US-Dollar wäre dagegen die Voraussetzung für eine Stabilisierung Richtung 4.200 US-Dollar.