Ein enttäuschender US-Arbeitsmarktbericht hat dem Goldpreis am Freitag kräftigen Schub verliehen. Das Edelmetall schloss bei 4.401,40 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 2,37 Prozent zum Vortag. Binnen einer Woche summiert sich der Zugewinn auf 7,39 Prozent – ein deutliches Signal, dass Anleger nach Wochen der Konsolidierung wieder in großem Stil auf sicheren Hafen setzen.

Enttäuschender Arbeitsmarktbericht drückt Zinserwartungen

Auslöser der Bewegung sind schwache US-Beschäftigungsdaten für Juli. Die Wirtschaft baute 23.000 Stellen ab, während die Zuwächse der Vormonate nach unten korrigiert wurden. Die Arbeitslosenquote sank zwar auf 4,1 Prozent, doch die Jobsuche dauert im Schnitt fast ein halbes Jahr. Eine separate Haushaltsbefragung deutet sogar auf einen Verlust von 1,8 Millionen Stellen seit Jahresbeginn hin. Die US-Notenbank hatte ihren Leitzins in der Vorwoche noch bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen, doch die schwachen Daten senkten am Terminmarkt die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung im kommenden Monat spürbar. Als nächster Termin gilt die Fed-Sitzung Mitte September als richtungsweisend für den weiteren Kurs. Zusätzliche Unsicherheit über die Unabhängigkeit der Notenbank schürt die Ankündigung, dass die US-Regierung eine Entlassung von Fed-Gouverneurin Lisa Cook erneut prüft – nachdem der Supreme Court einen solchen Schritt im Juni zunächst gestoppt hatte.

Notenbanken bleiben Käufer, ETF-Anleger kehren zurück

Auch strukturell bleibt die Nachfrage nach dem Edelmetall hoch. Laut dem World Gold Council kaufte Polen im ersten Halbjahr 82 Tonnen Gold und blieb damit größter Notenbank-Käufer weltweit, während weitere Länder wie Usbekistan und China ebenfalls deutlich aufstockten. Die Türkei baute ihre Bestände dagegen um 83 Tonnen ab und war damit der größte Verkäufer im gleichen Zeitraum.

Chinas Zentralbank kaufte im Juli bereits den 21. Monat in Folge Gold und tätigte dabei den größten Monatszukauf seit 2023 – als Gründe gelten ein schwächerer Dollar und ein zunehmend unübersichtliches globales Finanzumfeld. Parallel dazu flossen im Juli nach vorherigen Abflüssen wieder rund 3 Milliarden US-Dollar in Gold-ETFs, ein Zeichen dafür, dass auch private und institutionelle Investoren nach der Korrektur der vergangenen Monate zurückkehren.

Analysten sehen Weg zu neuen Rekorden

An den Terminmärkten wird die Rally bereits mit Optionsgeschäften unterlegt: Berichten zufolge flossen zuletzt rund 180 Millionen Dollar in Call-Optionen auf Gold, während die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bei etwa 4,7 Prozent verharrt und damit kaum Gegenwind für das zinslose Edelmetall liefert. Die Schweizer Großbank UBS rechnet damit, dass der Goldpreis bis zur ersten Hälfte 2027 die Marke von 5.000 Dollar je Feinunze erreichen könnte, gestützt auf eine erwartete Abkühlung der US-Inflation und geldpolitische Lockerungen im kommenden Jahr. Goldman Sachs geht kurzfristiger vor und sieht bis Dezember ein Niveau von 4.900 Dollar. Trotz der jüngsten Erholung notiert Gold weiterhin spürbar unter seinem im Januar erreichten Rekordhoch – die aktuelle Rally gilt Analysten daher eher als Zwischenschritt denn als abgeschlossene Bewegung.

Von der Preisentwicklung profitieren auch die Goldproduzenten: Aktien von Barrick legten am Wochenschluss um 4,73 Prozent zu, Agnico-Eagle um 6,10 Prozent und Kinross um 7,01 Prozent. Newmont bestätigte zuletzt seine Jahresprognose bei einem freien Cashflow von rund 2,2 Milliarden Dollar, während Barrick seine Zahlen für das zweite Quartal am 10. August vorlegt. Für Anleger bleibt die Gemengelage aus schwachem Arbeitsmarkt, anhaltenden Notenbankkäufen und zurückkehrenden ETF-Mitteln das entscheidende Muster, das den Goldpreis in den kommenden Wochen bewegen dürfte.