UBS sieht am Goldmarkt heute einen Gegensatz: Spekulative Positionen wurden abgebaut, während die physische Nachfrage anhält. Käufe chinesischer Kilobarren und knappe Raffineriekapazitäten bilden nach Einschätzung der Bank ein Gegengewicht zur Zurückhaltung der Anleger. Für eine überzeugende Erholung reicht diese Unterstützung aus Sicht der UBS allerdings noch nicht aus.
UBS erkennt technische Erholungschancen
UBS-Technikstratege Jason Perl beurteilt Gold nach dem Erreichen seines Mindestkorrekturziels wieder positiv. Ein überzeugenderer Aufschwung erfordert nach seinem Modell einen Ausbruch über 4.082,80 US-Dollar je Feinunze. Diese Marke ist damit eine Bedingung für ein stärkeres technisches Signal, keine bestätigte Trendwende.
Die Zurückhaltung der Händler steht dieser Einschätzung gegenüber. Laut UBS wollen viele vor dem Jahresende ihre Positionen nicht vergrößern. Physische Käufer bleiben damit eine Stütze, während am Finanzmarkt die Bereitschaft zu zusätzlichen Engagements fehlt. Technische Erholungschancen und vorsichtige Positionierung bestehen nebeneinander.
Der Spotpreis von 3.995,80 USD je Feinunze verdeutlicht, dass der von Perl geforderte Ausbruch bislang nicht erreicht ist. Für Anleger liegt der Unterschied zwischen einer möglichen Gegenbewegung und einer überzeugenderen Erholung deshalb in der Bestätigung durch den Markt.
BCA sieht Grenzen durch Dollar und Inflation
Zur Vorsicht mahnt auch BCA-Strategin Roukaya Ibrahim. Sie erwartet eher eine Seitwärtsbewegung. Die überverkaufte technische Lage begünstige zwar eine Erholung. Inflation und ein voraussichtlich starker Dollar begrenzten jedoch das Aufwärtspotenzial bis zum Jahresende.
Ibrahim hält den jüngsten Ausverkauf wahrscheinlich für liquiditätsgetrieben. Medienberichten zufolge verkauften Anleger nach dem Ausverkauf von Technologieaktien auch Gold, um andere Verluste zu decken. Der Verkaufsdruck wäre damit nicht allein Ausdruck einer veränderten Einschätzung des Edelmetalls, sondern auch eine Folge des Liquiditätsbedarfs in anderen Marktsegmenten.
Eine Entlastung durch niedrigere Anleiherenditen hat bislang wenig geholfen. Nach Ibrahims Einschätzung stützte der Rückgang der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zu Wochenbeginn den Goldpreis kaum. Das unterstreicht ihre vorsichtige Haltung gegenüber einer raschen Erholung.
Langfristige Stützen ersetzen keine Bestätigung
Auf längere Sicht nennt Ibrahim Zentralbankkäufe und Sorgen um die US-Staatsfinanzen als Unterstützung. Ein günstigeres gesamtwirtschaftliches Umfeld könnte Anfang 2027 entstehen, falls Dollar und Inflation nachlassen. Diese Aussicht bleibt ausdrücklich an Bedingungen geknüpft.
Damit ergänzen sich die beiden Einschätzungen: UBS erkennt Käufer und technische Erholungschancen, BCA betont die anhaltenden wirtschaftlichen Hindernisse. Für Anleger ist die physische Nachfrage ein stabilisierendes Argument, aber noch kein Beleg für einen neuen Aufwärtstrend. Entscheidend bleibt, ob aus dieser Unterstützung auch eine breitere Bereitschaft zu neuen Goldpositionen entsteht.
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