Der Goldpreis verliert massiv an Boden. Am Mittwoch fiel die Notierung unter die Marke von 4.100 US-Dollar je Unze. Damit steuert das Edelmetall direkt auf ein Siebenmonatstief zu. Zwei mächtige Faktoren treiben Investoren derzeit in die Flucht.
Zinsen und starker Dollar
Die US-Notenbank ändert ihren Kurs. Fed-Chef Kevin Warsh fokussiert sich voll auf die Preisstabilität. Die Zentralbank hob ihre Inflationserwartung für 2026 soeben auf 3,6 Prozent an. Im Mai lag die Teuerung bereits bei 4,2 Prozent.
Neun der 19 FOMC-Mitglieder fordern nun Zinserhöhungen. Der neue Dot Plot signalisiert erstmals wieder steigende Zinsen. Die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen ist vom Tisch. Das treibt den US-Dollar nahe an sein Jahreshoch. Für Käufer außerhalb des Dollarraums wird Gold dadurch spürbar teurer.
Ein weiteres Element drückt den Preis. Das in der Schweiz unterzeichnete Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran entspannt die geopolitische Lage. Die Folge: Die Risikoprämie für den sicheren Hafen schmilzt dahin. Parallel dazu sank der Ölpreis um zwei Prozent.
Auch am Aktienmarkt braut sich etwas zusammen. Ein scharfer Rückschlag bei US-Technologiewerten zwingt viele Investoren zum Handeln. Sie verkaufen ihre Goldbestände. So gleichen sie Verluste in anderen Teilen ihrer Portfolios aus.
Analysten streichen Kursziele
Die großen Investmentbanken reagieren prompt auf das neue Umfeld. Goldman Sachs senkt das Jahresendziel 2026 drastisch. Die Analysten erwarten nun 4.900 US-Dollar je Unze. Zuvor lag das Ziel bei 5.400 Dollar. Als Grund nennt die Bank die restriktive US-Geldpolitik.
Andere Häuser ziehen nach. JPMorgan, Morgan Stanley und die Commerzbank haben ihre Prognosen ebenfalls gekappt. Citi sticht besonders hervor. Die Bank reduzierte ihr Goldziel innerhalb eines Monats gleich zweimal.
Zentralbanken stützen den Boden
Trotz des Ausverkaufs bleibt die physische Basis stabil. Im ersten Quartal stieg die globale Goldnachfrage leicht auf 1.231 Tonnen. Der Wert dieser Käufe sprang auf den Rekord von 193 Milliarden Dollar.
Besonders die Zentralbanken greifen weiter zu. Sie kauften im ersten Quartal netto 244 Tonnen des Edelmetalls. Laut Morgan Stanley bilden diese institutionellen Käufe eine feste Preisuntergrenze. ETF-Anleger reagieren hingegen extrem nervös auf die Fed-Signale.
Der World Gold Council blickt nun auf den US-Dollar. Der Dollar-Index hat die Marke von 100 Punkten durchbrochen. Fällt die US-Inflation künftig schwächer aus als gedacht, könnte dieser Ausbruch schnell in sich zusammenfallen.
Der kurzfristige Trend spricht gegen das Edelmetall. Im vergangenen Monat brach der Goldpreis um mehr als zehn Prozent ein. Auf Jahressicht steht allerdings immer noch ein Plus von rund 22 Prozent auf der Tafel. Die nächste Richtungsentscheidung fällt mit den kommenden US-Inflationsdaten.
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