Die Verdopplung der US-Anleiherückkäufe entwickelt sich zum zentralen Treiber der Goldrally. Das US-Finanzministerium erhöht das Volumen je Rückkaufoperation ab dem 9. September auf mindestens vier Milliarden Dollar – zuvor waren es zwei Milliarden. Anleger deuten den Schritt als verstecktes Signal für lockerere Geldpolitik und suchen Schutz in Edelmetallen.
Der Goldpreis notiert aktuell bei 4.626,04 Dollar je Feinunze, nach einem Schlusskurs von 4.658,41 Dollar am Dienstag. Der leichte Rückgang um 0,7 Prozent am heutigen Mittwoch ändert nichts am übergeordneten Bild: Auf Monatssicht steht ein Plus von 13 Prozent zu Buche, ein Zuwachs, der laut mehreren Marktbeobachtern der stärkste August seit 1999 werden könnte.
Bessent gegen die Fed
Die Maßnahme von US-Finanzminister Scott Bessent bringt ihn nach Einschätzung von Marktbeobachtern auf Kollisionskurs mit der Notenbank. Fed-Chef Kevin Warsh lehnt direkte Eingriffe in den Anleihemarkt ab und will die Notenbankbilanz weiter abbauen.
Kritiker wie der Investor Stanley Druckenmiller bezeichnen die Rückkäufe als Preismanipulation und Fehler, während Mohamed El-Erian von Kollateralschäden einer „Operation Twist“ spricht. Befürworter halten dagegen, man solle sich nicht gegen das Finanzministerium stellen.
Hintergrund der Debatte ist die Verschuldung der USA, die erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten hat. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen kletterte zuletzt auf rund 5,3 Prozent, den höchsten Stand seit 19 Jahren, bevor sie nach der Ankündigung kurzzeitig nachgab.
Diese Gemengelage aus hoher Verschuldung und Eingriffen in den Anleihemarkt nährt Sorgen vor schleichender Geldentwertung – ein klassisches Umfeld, in dem Anleger traditionell zu Gold greifen.
Notenbanken und ETFs kaufen mit
Die Nachfrageseite bestätigt den Trend. Gold-ETFs verzeichneten in der vergangenen Woche laut Marktdaten einen Nettozufluss von 46,7 Tonnen im Gegenwert von rund 6,4 Milliarden Dollar – der stärkste Wochenzufluss seit zehn Monaten, getrieben vor allem aus Nordamerika und Europa.
Parallel dazu bauen Notenbanken ihre Reserven weiter aus: Chinas Zentralbank hat ihre Goldbestände nach verfügbaren Daten 21 Monate in Folge erhöht und liegt inzwischen an sechster Stelle weltweit unter den offiziellen Goldhaltern.
Auf der Analystenseite hat sich die Erwartungshaltung spürbar nach oben verschoben. Die Analysten von Natixis haben ihr Kursziel für Ende 2026 von 4.600 auf 5.000 Dollar angehoben und verweisen dabei explizit auf die Kombination aus Zinsneubewertung und der Verschuldungsproblematik der USA.
Die Deutsche Bank nennt für den Jahresverlauf ein Ziel von 4.800 Dollar. Andere Häuser wie Goldman Sachs, UBS oder Citigroup liegen mit ihren Prognosen für die kommenden zwölf bis 24 Monate teils deutlich über der 5.000-Dollar-Marke, wobei einzelne Institute – etwa Citi mit einem kurzfristigen Ziel von 4.300 Dollar – vor Rückschlagsgefahr warnen.
Blick nach vorn
Kurzfristig richtet sich der Blick der Marktteilnehmer auf die heute anstehenden PCE-Inflationsdaten aus den USA sowie auf die Rede von Fed-Chef Warsh beim Notenbankertreffen in Jackson Hole.
Beide Ereignisse dürften mitentscheiden, ob die Fed im September tatsächlich an eine Zinssenkung herangeht oder an ihrem restriktiveren Kurs festhält. Der Streit zwischen Finanzministerium und Notenbank über die richtige Anleihepolitik dürfte den Goldmarkt derweil noch länger beschäftigen – unabhängig vom Ausgang der Zinsdebatte.
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