Gold notiert am Donnerstag bei 4.168,70 Dollar je Feinunze und legt im Tagesverlauf um 1,03 Prozent zu. Der Kurs profitiert von einer Dollar-Schwäche nach der jüngsten Zinsentscheidung der US-Notenbank – gleichzeitig wirft eine neue Studie des World Gold Council ein zwiespältiges Licht auf die vermeintlich unerschütterliche Nachfrage der Zentralbanken.

Zentralbankkäufe: Rekord mit Schönheitsfehler

Der World Gold Council hat seine Zahlen für das erste Quartal deutlich nach unten korrigiert. Statt der ursprünglich gemeldeten 244 Tonnen kauften Zentralbanken demnach nur 57 Tonnen Gold – ein Rückgang um 76 Prozent gegenüber der ersten Schätzung. Im zweiten Quartal fiel die Nachfrage dagegen mit 289 Tonnen so stark aus wie nie zuvor in einem zweiten Quartal seit Beginn der Aufzeichnungen. In der Summe des ersten Halbjahres ergeben sich damit 345 Tonnen, deutlich weniger als die 415 Tonnen im Vorjahreszeitraum und der niedrigste Halbjahreswert seit 2022.

Bei den Einzelakteuren zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Polen kaufte im zweiten Quartal 51 Tonnen, China 33 Tonnen. Russland hingegen verkaufte 22 Tonnen und war damit größter Verkäufer – die russischen Goldreserven sanken auf 2.282 Tonnen, den niedrigsten Stand seit Ende 2019. Der World Gold Council rechnet für die kommenden Quartale mit Zentralbankkäufen unterhalb des Niveaus von 2025.

Auch abseits der Notenbanken bleibt das Nachfragebild gedämpft. Bei den Gold-ETFs verzeichnete der Markt im zweiten Quartal Nettoabflüsse von 45 Tonnen, während die Schmucknachfrage um 17 Prozent auf 278 Tonnen einbrach – das schwächste Quartal seit der Pandemie. Unter dem Strich stieg die weltweite Goldnachfrage im ersten Halbjahr dennoch leicht um 2 Prozent auf 2.522 Tonnen, im Wert von 380 Milliarden Dollar, getragen vor allem vom Investmentsegment.

Dollar-Schwäche stützt den Kurs

Für den aktuellen Kursauftrieb sorgt weniger die physische Nachfrage als die Geldpolitik. Die US-Notenbank beließ ihren Leitzins am Mittwoch bei 3,50 bis 3,75 Prozent, doch drei Mitglieder des Offenmarktausschusses stimmten gegen die Entscheidung und plädierten für eine Zinserhöhung – der stärkste interne Dissens seit Jahrzehnten. Fed-Chef Warsh verzichtete zudem auf konkrete Signale zur künftigen Geldpolitik, was Marktbeobachter als Vertrauensverlust werteten.

Trotz der hawkishen Untertöne aus dem Offenmarktausschuss gab der Dollar nach – belastet auch durch eine vermutete Intervention Japans. Der US-Dollar-Index fiel um 0,90 Prozent, was Gold als Anlage in Fremdwährungen günstiger macht und dem Metall Auftrieb verlieh. Laut dem CME-FedWatch-Tool preist der Markt derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 55 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein – ein Szenario, das Gold grundsätzlich belasten würde, sollte es eintreten.

Reuters berichtete zugleich, dass steigende Renditen am langen Ende des US-Anleihemarkts die eigentlich stützende Inflationsbotschaft Warshs zeitweise in den Hintergrund drängten. Die Rendite dreißigjähriger US-Staatsanleihen kletterte im Umfeld der Fed-Entscheidung auf über 5,2 Prozent, den höchsten Stand seit 2007 – ein Faktor, der die Opportunitätskosten des zinslosen Goldbesitzes eigentlich erhöht, im aktuellen Marktumfeld aber von der Dollar-Schwäche überlagert wird.

Charttechnisch weiter im Konsolidierungsmodus

Trotz der jüngsten Erholung bleibt Gold weit von seinem Rekordhoch entfernt: Zum 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 Dollar aus dem Januar beträgt der Abstand aktuell 25,91 Prozent. Der Preis bewegt sich damit weiterhin in der breiten Konsolidierungszone, die sich seit dem Erreichen des Jahreshochs herausgebildet hat, auch wenn die jüngste Dollar-Schwäche kurzfristig für Auftrieb sorgt.

Anleger dürften den Blick nun auf die nächste Fed-Sitzung im September richten. Sollte sich die von den drei Dissidenten geforderte Zinserhöhung tatsächlich materialisieren, würde dies den Dollar stärken und Gold unter Druck setzen. Die widersprüchlichen Signale aus der Zentralbank-Nachfrage – Rekordkäufe einzelner Staaten bei gleichzeitigen Verkäufen anderer – dürften die Diskussion über die Nachhaltigkeit der Goldrally zusätzlich befeuern.