Fast die Hälfte des Jahresgewinns ist weg. Graphite One schloss die Woche bei 0,62 Euro — ein Minus von gut 8 Prozent in sieben Tagen. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 47 Prozent verloren und notiert mehr als 60 Prozent unter dem Januar-Hoch von 1,59 Euro. Der RSI liegt bei 33,5 und nähert sich damit überverkauftem Terrain, ohne dass bisher eine technische Gegenbewegung eingesetzt hat.
Dabei fehlt es nicht an Nachrichten. Am 18. Juni gab das Unternehmen bekannt, einen Anbieter für die Integration von Fertigungsanlagen in seiner geplanten Ohio-Anlage beauftragt zu haben. Es war die zweite bedeutende Ohio-Meldung innerhalb von zwei Wochen. Den Kursverfall aufgehalten hat sie nicht.
Zwei Fristen dominieren alles
Hinter der Kursschwäche steckt eine klare Logik: Graphite One läuft auf zwei harte Termine zu, und beide sind ungewiss.
Der erste ist der 29. September 2026. An diesem Tag will das U.S. Army Corps of Engineers seine Entscheidung über die Umweltgenehmigung für die geplante Graphite-Creek-Mine in Alaska bekanntgeben. Bis dahin bleibt das Projekt auf dem Papier. Lokale Gegner fordern eine vollständige Umweltverträglichkeitsprüfung — das könnte den geplanten Baubeginn 2027 verschieben.
Der zweite Termin ist der 27. November 2026. Dann läuft Chinas temporäre Aussetzung der verschärften Exportkontrollen für Graphit und Anodenmaterialien aus. Die USA importieren aktuell 100 Prozent ihres Graphits aus dem Ausland. Graphite Ones Lieferkette wäre eine direkte Absicherung gegen neue Beschränkungen — aber nur, wenn die Genehmigungen rechtzeitig kommen.
Das Paradox der Entspannung
Ausgerechnet die chinesische Entspannungspolitik schadet dem Kurs. Solange Peking keine neuen Exporthürden aufbaut, fehlt der unmittelbare Preisdruck, der Investoren in heimische Graphitprojekte treiben würde. Hinzu kommt: Die U.S. International Trade Commission entschied im März gegen Anti-Dumping-Zölle auf chinesische Graphitimporte. Damit ist ein lange erwarteter Preispuffer für US-Produzenten vorerst vom Tisch.
Milliardenzusagen, aber kein Kaufvertrag
Die institutionelle Unterstützung ist beeindruckend. Die US-Exportkreditbehörde EXIM hat ihre Finanzierungszusagen auf insgesamt 2,07 Milliarden Dollar erhöht — davon 670 Millionen für das Alaska-Projekt und 1,4 Milliarden für Ohio. Das deckt rund 70 Prozent der geschätzten Projektkosten. Das Verteidigungsministerium hat zusätzlich 42 Millionen Dollar an Zuschüssen bereitgestellt.
Allerdings fehlt das entscheidende kommerzielle Signal. Kein unterzeichneter Abnahmevertrag, kein Spatenstich. Politische Rückendeckung und Investorenvertrauen sind zwei verschiedene Dinge.
Was als nächstes kommt
Unmittelbar steht die Hauptversammlung an, voraussichtlich Ende Juni. Auf der Tagesordnung: Genehmigung aktienbasierter Vergütungen und die Fortsetzung des Aktienoptionsprogramms. Das sind Routinepunkte.
Der eigentliche Katalysator bleibt die Alaska-Entscheidung Ende September. Sie wird entweder den Weg zur Mine freimachen oder das gesamte Projekt neu bewerten lassen. Zwei weitere US-Graphitprojekte — in Alabama und New York — haben inzwischen ebenfalls FAST-41-Status erhalten und drängen auf denselben Markt. Das Rennen um die erste heimische Graphit-Lieferkette läuft. Graphite One führt auf dem Papier, kämpft aber mit der Uhr.
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