Ein Jahr Verzögerung, alte Artefakte im Boden und eine Aktie, die seit Jahresbeginn die Hälfte ihres Werts verloren hat. Graphite One kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig. Der Auslöser sitzt in Washington: Das US Army Corps of Engineers verlangt für das Graphit-Projekt auf der Seward-Halbinsel in Alaska jetzt eine vollständige Umweltverträglichkeitsprüfung.
Bisher hatte das Unternehmen mit einer einfachen Umweltprüfung gerechnet, die deutlich schneller abläuft. Diese Entscheidung ändert den Zeitplan grundlegend. Das Corps ist die federführende Genehmigungsbehörde für das Projekt, das Rohmaterial für Anodenprodukte in Batteriequalität liefern soll.
Historische Funde erweitern den Prüfumfang
Neben dem Wechsel zur vollständigen Prüfung braucht die Behörde mehr Zeit für eine sogenannte Section-106-Prüfung. Diese ist Teil des National Historic Preservation Act und verpflichtet Behörden, Auswirkungen auf historische Stätten zu berücksichtigen. Graphite One hat auf dem Gelände mehrere indigene Artefakte freigelegt — ein Fund, der den erweiterten Prüfumfang mitbegründet.
Die Entscheidung folgt auf ein Jahr öffentlicher Konsultation mit den Nachbargemeinden Brevig Mission und Teller. Im April besuchte das Corps die Dörfer und hörte Bedenken der Anwohner zu möglichen Risiken für die Subsistenzwirtschaft im nahen Imuruk-Becken.
Umweltverbände vor Ort begrüßen den strengeren Prüfmaßstab. Hal Shepherd vom Norton Bay Watershed Council bezeichnete die Entscheidung als Erfolg für die Stämme von Brevig Mission, Teller und Mary’s Igloo. Er wies zudem darauf hin, dass es keine Seltenheit sei, wenn das Corps mit einer einfachen Prüfung beginnt und diese später ausweitet.
Unternehmen hält an 2029 fest
Graphite One reagiert auf die lokalen Anliegen und passt seinen Zeitplan für Gemeindetreffen an. Nachdem ein für Anfang Juni geplantes Treffen wegen einer Subsistenzperiode verschoben werden musste, kehrt das Unternehmen am 28. Juli nach Brevig Mission zurück.
CEO Anthony Huston zeigt sich trotz der zusätzlichen Prüfschritte zuversichtlich. Er betonte, das Projekt bleibe auf Kurs für die angepeilte Fertigstellung im Jahr 2029. Die gemeinsamen Bemühungen von FAST 41 und dem Army Corps zielten darauf ab, den Abschluss nur zwei Jahre nach dem ursprünglichen Einreichungsdatum zu erreichen.
Rückendeckung kommt auch von der Bering Straits Native Corporation. Die regionale Alaska-Native-Gesellschaft hatte 2023 direkt in Graphite One investiert und unterstützt nun den umfassenderen Prüfprozess. Viele Bewohner der projektnächsten Gemeinden zählen zu den Anteilseignern der Corporation — ein Punkt, den deren Führung explizit hervorhob.
Aktie tief im roten Bereich
Der Kursverlauf spiegelt die Unsicherheit rund um die Genehmigungsverzögerung deutlich wider. Die Aktie schloss am Montag bei 0,59 Euro, ein Minus von 6,09 Prozent innerhalb einer Woche und 11,88 Prozent binnen eines Monats. Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 50,13 Prozent zu Buche.
Damit notiert das Papier 13,77 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 0,68 Euro und 31,11 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 0,85 Euro. Vom Jahreshoch bei 1,59 Euro aus Ende Januar trennen die Aktie inzwischen 63,26 Prozent. Der RSI von 36,5 signalisiert eine überverkaufte Situation, während die annualisierte Volatilität von knapp 39 Prozent das Ausmaß der Kursschwankungen unterstreicht.
Die kommenden Wochen dürften zeigen, wie sich die zusätzliche historische Prüfung und die fortgesetzten Konsultationen mit den Stämmen konkret auf den Zeitplan auswirken. Im Fokus steht dabei besonders der direkte Austausch in Brevig Mission Ende Juli — ein erster Test dafür, ob sich Unternehmen und Anwohner auf den weiteren Prüfprozess verständigen können.
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