Der US-amerikanische Cannabis-Konzern Green Thumb Industries hat seine Finanzergebnisse für das zweite Quartal 2026 vorgelegt. Trotz eines anhaltenden Preisdrucks in der Branche gelang dem Unternehmen ein moderates Umsatzwachstum und die Rückkehr in die Gewinnzone auf GAAP-Basis. Parallel dazu setzt die Konzernleitung verstärkt auf Kapitalrückführungen an die Aktionäre und bereitet strategische Schritte für die künftige Handelsstruktur der Aktie vor.

Solide Quartalsbilanz trotz Margendruck

In dem am 30. Juni endenden zweiten Quartal erwirtschaftete Green Thumb Industries einen Umsatz von 306,7 Millionen US-Dollar, was einer Steigerung von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Das Unternehmen meldete zudem ein Nettoeinkommen von 4,9 Millionen US-Dollar oder 0,02 US-Dollar je Aktie. Damit konnte der Konzern den Vorjahresverlust von 0,6 Millionen US-Dollar hinter sich lassen. Das normalisierte EBITDA belief sich auf 84,3 Millionen US-Dollar, was einer Marge von 27,5 Prozent entspricht.

Ein wesentlicher Faktor für die operative Entwicklung war die Bruttomarge, die mit 45 Prozent unter dem Vorjahreswert von 50 Prozent lag. Dieser Rückgang wird maßgeblich auf Lizenzgebühren in Höhe von 17,5 Millionen US-Dollar zurückgeführt. Die liquiden Mittel des Unternehmens beliefen sich zum Quartalsende auf 283,6 Millionen US-Dollar, womit die Verschuldung von 283,0 Millionen US-Dollar nahezu vollständig durch Barmittel gedeckt ist. Für das kommende dritte Quartal gab sich das Management jedoch vorsichtig: Aufgrund des anhaltenden Preisdrucks im Markt wird sequenziell ein flacher Umsatzverlauf erwartet.

Expansion in den US-Bundesstaaten

Das Unternehmen treibt seine physische Präsenz in wichtigen US-Märkten weiter voran. In New Jersey startete Green Thumb am 13. Juli 2026 den Verkauf für den Freizeitgebrauch (Adult-Use), gefolgt von einer Neueröffnung in Pennsylvania am 31. Juli. Ein bedeutender Wachstumstreiber könnte langfristig der Bundesstaat Virginia werden. Dort wurde der Start des Verkaufs von Cannabis an Erwachsene für den 1. Juli 2027 festgesetzt. Green Thumb hält in diesem Staat eine von lediglich fünf verfügbaren Lizenzen für medizinischen Cannabis und betreibt dort bereits sechs RISE-Dispensaries.

Zudem sicherte sich das Unternehmen jüngst eine Lizenz in Texas, was die geografische Diversifizierung weiter stärkt. Analysten von GuruFocus bewerten das Unternehmen derzeit als unterbewertet. Basierend auf einem internen Berechnungsmodell wird der faire Wert (GF Value) auf 8,93 US-Dollar beziffert, während der Kurs an der Nasdaq zuletzt bei 7,27 US-Dollar lag. Auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der letzten zwölf Monate liegt mit 14,25 deutlich unter dem historischen Fünf-Jahres-Median von 39,21.

Kapitalrückführung und Marktreaktion

Ein zentraler Bestandteil der aktuellen Strategie ist das aktive Aktienrückkaufprogramm. Im zweiten Quartal kaufte Green Thumb Industries rund 7,9 Millionen eigene Aktien für insgesamt 48,3 Millionen US-Dollar zurück, was einem durchschnittlichen Preis von rund 6 US-Dollar entspricht. Ergänzend dazu bereitet das Unternehmen ein Uplisting an eine reguläre US-Börse vor, sobald die regulatorischen Rahmenbedingungen – insbesondere der laufende Prozess zur Neueinstufung von Marihuana durch die DEA – dies zulassen.

An der Börse reagierten die Anleger am Mittwoch verhalten auf die Zahlen und den vorsichtigen Ausblick für das kommende Quartal. Die Aktie von Green Thumb Industries verlor im deutschen Handel 8,59 Prozent und notiert aktuell bei 5,85 Euro. Damit rutschte das Papier unter den gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage, der bei 6,19 Euro verläuft. Dennoch bleibt die Bilanz durch den operativen Cashflow von 29 Millionen US-Dollar im abgelaufenen Quartal stabil, was dem Unternehmen weiterhin Spielraum für die Expansionspläne in aufstrebenden Märkten wie Virginia und Texas bietet.