Heidelberg Materials erkennt erste Erholungszeichen im Baugeschäft, stößt bei der CO₂-Abscheidung aber weiter auf Infrastrukturhürden. CEO Dominik von Achten berichtete Reuters am 23. Oktober von langsam zunehmender Dynamik bei Energieinfrastruktur und Rechenzentren.

Für Anleger ergibt sich damit ein gemischtes Bild: Die Nachfrage liefert positive Signale, während sich die Umsetzung emissionsärmerer Produktion nicht überall wie vorgesehen fortsetzen lässt.

Erste Impulse sind noch kein breiter Aufschwung

Von Achtens Aussagen beschreiben einen beginnenden Trend, keinen bereits gefestigten Aufschwung. Investitionen in Energieinfrastruktur und Rechenzentren gewinnen demnach langsam an Fahrt. Zugleich führt Heidelberg Materials Gespräche mit großen Hyperscalern über CO₂-reduzierte Baustoffe.

Diese Gespräche verbinden die Nachfrageperspektive mit dem Angebot emissionsärmerer Materialien. Sie sind allerdings noch nicht mit bestätigten Aufträgen gleichzusetzen. Für die Bewertung der Erholung bleibt deshalb entscheidend, wie sich erste Nachfrageimpulse im Geschäft niederschlagen.

Ein konkretes operatives Beispiel aus dem Energiebereich meldete Heidelberg Materials UK am 21. Oktober: Am Projekt Sizewell C begann die Produktion von Kernkraftwerksbeton in der ersten Vor-Ort-Betonmischanlage. Das ergänzt die Aussagen zur Energieinfrastruktur um einen bereits vollzogenen Produktionsschritt.

CO₂-Abscheidung hängt auch an der Infrastruktur

Wie unterschiedlich die Voraussetzungen für Klimaschutzprojekte ausfallen können, zeigt GeZero. Heidelberg Materials teilte am 22. Oktober mit, das CO₂-Abscheideprojekt in Geseke in seiner derzeitigen Form zu pausieren. Das Unternehmen will die Ausgestaltung weiter optimieren.

Als Gründe nennt Heidelberg Materials unzureichend entwickelte Wertschöpfungsketten sowie fehlende rechtzeitige Transport- und Speicherinfrastruktur. Auch die wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen ermöglichen demnach noch keinen tragfähigen Geschäftsfall. Der laufende Betrieb des Werks Geseke ist laut Unternehmen unmittelbar nicht betroffen.

Die Pause betrifft damit das Abscheideprojekt und nicht den laufenden Werksbetrieb. Für Anleger ist diese Trennung wichtig: Die Hürden liegen nicht allein bei der Abscheidung selbst, sondern ebenso beim anschließenden Transport und der Speicherung.

Anders stellt sich die Situation in Brevik dar. Medienberichten vom 15. Oktober zufolge arbeitet die dortige CCS-Anlage nach Unternehmensangaben nahezu auf voller Kapazität. In jüngsten Betriebsphasen erreichte sie Abscheideraten von mehr als 50 Tonnen CO₂ pro Stunde.

Quartalsmitteilung wird zum nächsten Prüfstein

Die Entwicklung an beiden Standorten unterstreicht, dass Fortschritte bei der CO₂-Abscheidung standortspezifisch zu bewerten sind. Brevik und Geseke lassen sich nicht zu einem einheitlichen Bild zusammenfassen.

Am 4. November veröffentlicht Heidelberg Materials die Quartalsmitteilung für Januar bis September 2026 und hält eine Analystentelefonkonferenz ab. Der Termin bietet Anlegern die nächste Gelegenheit, die Geschäftsentwicklung den beschriebenen Erholungszeichen gegenüberzustellen. Entscheidend ist, ob aus den vorsichtig positiven Nachfragesignalen eine belastbarere operative Entwicklung wird.