Heidelberger Druckmaschinen bereitet sich auf eine Weltpremiere im Verpackungsdruck vor, während hinter den Kulissen der Ausfall eines zentralen Partners das Management fordert. Die Insolvenz von Manroland Sheetfed zwingt den Konzern dazu, die Verantwortung für ein wichtiges Großprojekt komplett selbst zu schultern.

Großprojekt ohne Sicherheitsnetz

Am Hauptstandort Wiesloch-Walldorf läuft derzeit die erste Demonstrationsmaschine des Cartonmaster CX 145 an. Ursprünglich war die Großformatmaschine ein Gemeinschaftsprojekt. Nachdem sich der Kooperationspartner Manroland Sheetfed Anfang März in ein Schutzschirmverfahren zurückgezogen hat, übernimmt Heidelberg nun die alleinige Regie. Das schließt den Vertrieb und die digitale Anbindung über das hauseigene Prinect-Workflow-System ein. Gelingt die Vermarktung der Anlage ohne den ursprünglichen Partner, könnte sich in diesem Segment mittelfristig ein eigenständiges Geschäftsmodell etablieren.

Weltpremiere im Verpackungsdruck

Parallel zur Krisenbewältigung beim Cartonmaster setzt das Unternehmen auf der im Mai startenden interpack in Düsseldorf auf operative Impulse. Mit der „Boardmaster“ präsentiert Heidelberg ein neues System für den hochvolumigen Faltschachteldruck. Die Anlage nutzt das Flexorollen-Verfahren und zielt auf den global wachsenden Markt für nachhaltige Etiketten und Kartonagen ab.

Eine Druckgeschwindigkeit von bis zu 600 Metern pro Minute soll die Produktivität verdoppeln und die Gesamtbetriebskosten der Anwender senken. Wasserbasierte Farben und ein geringer Makulatur-Ausschuss von unter zehn Metern pro Jobwechsel bedienen zudem die strenger werdenden regulatorischen Umweltanforderungen.

Solide Finanzierung trifft auf Kursschwäche

An der Börse spiegeln sich diese operativen Vorstöße bislang nicht wider. Die Aktie notiert aktuell rund 46 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 2,52 Euro aus dem vergangenen Juli. Der Schatten der Partnerinsolvenz und offene Fragen zur Zolllage belasten den Titel weiterhin.

Die Finanzierung des laufenden Konzernumbaus ist durch eine bis 2030 verlängerte Kreditlinie gesichert. Dies gewährt dem Management den nötigen finanziellen Spielraum für den Aufbau des kürzlich angekündigten Joint Ventures ONBERG, mit dem Heidelberg in den Verteidigungssektor expandiert.

Die nächsten Wochen liefern konkrete Datenpunkte zur weiteren Entwicklung. Mitte April wird Heidelberg detaillierte Einblicke in die ONBERG-Roadmap geben, bevor am 10. Juni die vollständigen Zahlen für das vierte Quartal anstehen. Dann wird sich in der Bilanz ablesen lassen, ob die ungeplanten Anlaufkosten für den Cartonmaster die Margen bereits spürbar belastet haben.