Heidelberger Druckmaschinen präsentiert sich heute auf der Industrial Technology-Konferenz von mwb research. Es ist der erste öffentliche Auftritt des Managements seit den Jahreszahlen. Anleger fordern konkrete Beweise für den Strategiewechsel. Aus dem traditionellen Druckmaschinenbauer soll ein Rüstungs- und Technologiekonzern werden.

Produktion in Brandenburg läuft an

Das Herzstück der neuen Strategie ist bereits greifbar. Die Tochtergesellschaft HD Advanced Technologies bündelt künftig die Bereiche Verteidigung, Energie und Ladeinfrastruktur. In Brandenburg an der Havel läuft die Produktion an. Wo früher Präzisionsteile für Druckmaschinen entstanden, fertigt das Joint Venture ONBERG nun autonome Systeme zur Drohnenabwehr. Bis zu 200 Mitarbeiter wechseln in diesen neuen Verteidigungsbereich.

Finanziell hinterlässt der Wandel tiefe Spuren. Im abgelaufenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz leicht auf knapp 2,3 Milliarden Euro. Der Nettogewinn verdreifachte sich zwar auf 15 Millionen Euro. Allerdings rutschte der freie Cashflow auf minus 19 Millionen Euro ab. Hohe Investitionen in neue Technologien und Abfindungskosten belasten die Bilanz.

Um Kosten zu senken, baut der Konzern hart um. Die Folge: Das Management hat bereits über 550 Aufhebungsverträge geschlossen. Das meistverkaufte Druckmaschinen-Modell fertigt Heidelberger künftig komplett in China. Von dort beliefert das Werk in Qingpu den Weltmarkt. Für das laufende Jahr rechnet der Vorstand mit einem zweistelligen Millionenverlust.

Analysten sehen ungenutztes Potenzial

Am Aktienmarkt spiegelt sich die Rüstungsfantasie bisher kaum wider. Die Aktie notiert aktuell bei 1,51 Euro. Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von rund 25 Prozent auf der Anzeigetafel. Analysten attestieren dem Papier dennoch Nachholbedarf.

Warburg Research hob das Kursziel zuletzt auf 1,60 Euro an. mwb research sieht den fairen Wert sogar bei 2,50 Euro und empfiehlt die Aktie zum Kauf. Das Rüstungspotenzial ist aus Sicht der Experten im aktuellen Kurs noch nicht eingepreist.

Für das Geschäftsjahr 2026/27 plant das Management eine operative Marge von mindestens sieben Prozent. Die nächsten Termine für den Konzern stehen bereits fest. Am 23. Juli stimmen die Aktionäre auf der Hauptversammlung in Mannheim über den Kurs ab. Am 19. August folgen dann die Ergebnisse des ersten Quartals.