Vorstand und Aufsichtsrat schlagen den Aktionären trotz eines Nettogewinns von 15 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2025/2026 eine Dividenden-Nullrunde vor. Begründet wird der Verzicht mit dem Bedarf an Liquidität für die laufende strategische Transformation des Konzerns.

Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der das Unternehmen bereits für das kommende Geschäftsjahr auf Warnsignale verweist. Das Management hat den Ausblick für 2026/2027 konkretisiert und rechnet mit einem Nettoverlust im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Als Ursache nennt der Konzern hohe Strukturkosten sowie Anlaufverluste in neuen Geschäftsfeldern.

Umsatz stabil, Auftragseingang rückläufig

Der geprüfte Konzernabschluss für 2025/2026 zeigt ein gemischtes Bild. Heidelberger Druckmaschinen erzielte einen Umsatz von 2,293 Milliarden Euro bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 6,6 Prozent. Der Auftragseingang sank dagegen um 8 Prozent auf 2,246 Milliarden Euro. Bereits im Mai hatte das Unternehmen bei der erstmaligen Veröffentlichung der Guidance für 2026/2027 geopolitische Spannungen im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt als wesentlichen Faktor für eine gedämpfte Investitionsbereitschaft der Kunden angeführt.

Auf der operativen Seite treibt der Konzern seine Neuausrichtung voran. Anfang Juli wurde die Integration des weltweiten Lifecycle-Geschäfts abgeschlossen – Service, Ersatzteile und 35 Ländergesellschaften wurden von Manroland Sheetfed übernommen. Ziel ist es, die wiederkehrenden Erlöse im Service-Segment zu stärken und damit eine stabilere Ertragsbasis abseits des zyklischen Maschinengeschäfts aufzubauen.

Neue Sparte für Sicherheitstechnologie

Parallel zur Konsolidierung im Kerngeschäft diversifiziert Heidelberger Druckmaschinen in neue Felder. Im Juni gab der Konzern den Start der Sparte ONBERG bekannt, die Lösungen im Bereich der Drohnenabwehr entwickeln soll. Der Schritt ist Teil einer breiteren Ausrichtung auf Sicherheits- und Verteidigungstechnologien und dürfte zu den erwähnten Anlaufverlusten im kommenden Geschäftsjahr beitragen.

Kursreaktion und Ausblick

An der Börse spiegelt sich die angespannte Lage in einer anhaltend schwachen Kursentwicklung wider. Die Aktie schloss zuletzt bei 1,33 Euro, nach einem Rückgang von 1,77 Prozent am Freitag. Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von 34,38 Prozent zu Buche. Der aktuelle Kurs liegt nur noch 3,10 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 1,29 Euro, das im März markiert wurde – ein Zeichen dafür, dass die Verlustprognose für 2026/2027 und die Dividenden-Nullrunde bei Anlegern bislang wenig Vertrauen schaffen.

Die kommenden Monate dürften weitere Anhaltspunkte liefern, ob die Transformation greift. Für den 19. August ist die Veröffentlichung der Quartalszahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/2027 angesetzt, der Bericht zum zweiten Quartal beziehungsweise Halbjahr folgt am 12. November. Bis dahin bleibt die virtuelle Hauptversammlung am 23. Juli der nächste Termin, bei dem sich Aktionäre zur Nullrunde und zur strategischen Neuausrichtung äußern können.