Heidelberger Druckmaschinen steuert offiziell in ein weiteres Verlustjahr. Der Vorstand konkretisierte am vergangenen Montag die Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2026/2027 und stellte einen Nettoverlust im niedrigen zweistelligen Millionenbereich in Aussicht. Als Ursachen nannte das Unternehmen hohe Transformationskosten für den laufenden Konzernumbau sowie Investitionen in neue Produktionsstandorte in China.
Die Ankündigung reiht sich in eine Serie einschneidender Entscheidungen der vergangenen Wochen ein. Erst am 23. Juli hatte die virtuelle Hauptversammlung sämtlichen Beschlussvorschlägen der Verwaltung zugestimmt – inklusive eines vollständigen Dividendenverzichts für das Geschäftsjahr 2025/2026. Es ist bereits die vierte Nullrunde in Folge für die Aktionäre. Zugleich billigten die Anteilseigner die strategische Neuausrichtung des Traditionskonzerns zum sogenannten Technologie-Integrator, der künftig auch in der Verteidigungsindustrie und der Batterietechnologie tätig werden soll.
Umbau mit offenem Ausgang
Wie tief der Konzernumbau bereits reicht, zeigt der geprüfte Geschäftsbericht für 2025/2026, den Heidelberger Anfang Juni vorgelegt hatte. Der Umsatz belief sich auf 2,293 Milliarden Euro, unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 15 Millionen Euro stehen. Die bereinigte EBITDA-Marge sank von 7,1 auf 6,6 Prozent, der Auftragseingang gab um 8 Prozent auf 2,246 Milliarden Euro nach. Vor diesem Hintergrund wirkt die nun angekündigte Rückkehr in die Verlustzone wie die Fortsetzung eines Trends, der sich bereits im vergangenen Geschäftsjahr abzeichnete.
Parallel zum finanziellen Umbau treibt der Konzern seine industrielle Diversifizierung voran. Die Tochter HD Advanced Technologies schloss am 21. Juli eine strategische Partnerschaft mit der Schweizer PHENOGY AG zum Aufbau einer europäischen Plattform für Natrium-Ionen-Batteriespeicher. Heidelberger übernimmt dabei die industrielle Auftragsfertigung der Speichersysteme und plant zudem ein Joint Venture zur Zellproduktion mit eigenen Druckverfahren. Im Verteidigungsbereich läuft bereits seit April in Brandenburg an der Havel ein „Live Hub“ des Gemeinschaftsunternehmens ONBERG Autonomous Systems mit dem US-Partner Ondas Autonomous Systems zur Demonstration von Drohnendetektions- und Abwehrsystemen.
Im angestammten Kerngeschäft setzt der Konzern hingegen auf Konsolidierung. Zum 1. Juli vollzog Heidelberger den Erwerb der weltweiten Sales- und Service-Gesellschaften der manroland sheetfed Gruppe von der britischen Langley Holdings PLC. Damit übernimmt der Konzern das Ersatzteilgeschäft für mehr als 3.000 Kunden sowie die Rechte an der Großformat-Druckmaschine Roland 900. Finanziell abgesichert hat sich Heidelberger bereits Ende Juni durch die vorzeitige Verlängerung eines Konsortialkredits über 436 Millionen Euro mit Laufzeit bis 2030 – ein Signal an Investoren, dass die Liquidität für den mehrjährigen Umbau gesichert sein soll.
Aktie nahe Jahrestief
An der Börse hat die Häufung an Nachrichten bislang keine Trendwende ausgelöst. Der Schlusskurs lag am Dienstag bei 1,38 Euro, seit Jahresbeginn steht damit ein Kursrückgang von 32,22 Prozent zu Buche. Das Papier notiert weiterhin rund 16 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt und bewegt sich nur wenig oberhalb seines 52-Wochen-Tiefs vom 16. März. Ein automatisierter Trendindikator hatte Ende Juli zudem das Kreuzen der 20-Tage-Linie nach unten markiert, was den seit April anhaltenden Abwärtstrend bestätigt.
Der nächste konkrete Prüfstein für die Anleger folgt am 19. August, wenn Heidelberger die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/2027 veröffentlicht. Eine Vorabbekanntmachung dazu hatte der Konzern bereits am 21. Juli angekündigt. Die Halbjahreszahlen sind für den 12. November terminiert. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob die neuen Geschäftsfelder in Batterietechnologie und Verteidigung die Kosten des Umbaus im angestammten Druckmaschinengeschäft kompensieren können.
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