Die Banken verlängern den Kredit vorzeitig bis 2030. Trotzdem sollen Aktionäre für das abgelaufene Geschäftsjahr leer ausgehen. Der Umbau zum Technologiekonzern kostet aktuell mehr, als er einbringt.

Die Aktie von Heidelberger Druckmaschinen notiert aktuell bei 1,38 Euro, ein Plus von 0,73 Prozent zum Vortag. Seit Jahresanfang hat das Papier fast 32 Prozent verloren.

Zum 52-Wochen-Tief von 1,29 Euro fehlen nur noch rund 7 Prozent.

Kredit gesichert, Dividende gestrichen

Ein Bankenkonsortium verlängert einen Kredit über 436 Millionen Euro vorzeitig bis ins Jahr 2030. Das verschafft dem Unternehmen finanziellen Spielraum für die laufende Transformation.

Auf der Hauptversammlung am 23. Juli 2026 schlägt das Management trotzdem vor, keine Dividende zu zahlen. Der Grund: Für das laufende Geschäftsjahr 2026/2027 rechnet der Vorstand mit einem Nettoverlust im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025/2026 stand unter dem Strich noch ein Gewinn von rund 15 Millionen Euro. Der freie Cashflow war jedoch mit minus 19 Millionen Euro negativ. Der negative Cashflow unterstreicht den vorsichtigen Kurs des Managements.

Umbau zum Technologiekonzern

Heidelberger Druckmaschinen will sich vom klassischen Maschinenbauer zum breiter aufgestellten Technologieunternehmen entwickeln. Im Fokus stehen margenstärkere Bereiche wie Verpackungsdruck und Service.

Der Konzern hat dafür bereits mehrere Schritte umgesetzt. Die vollständige Integration des Lifecycle-Geschäfts von manroland sheetfed bringt über 3.000 neue Kunden und rund 600 zusätzliche Mitarbeiter. Auch die Integration des Partners POLAR ist abgeschlossen.

Bei der Produktion verschiebt der Konzern Kapazitäten. Die Fertigung des Volumenmodells Speedmaster CX 104 wandert komplett nach China. In Nordmazedonien und am Standort Halle baut das Unternehmen dagegen Kapazitäten für Spezialmaschinen aus, teils mit KI-gestützter Software gegen Ausschuss.

Am Stammsitz Wiesloch-Walldorf streicht der Konzern Stellen. Über 550 Mitarbeiter haben bereits einen Aufhebungsvertrag unterschrieben.

Neue Geschäftsfelder als Wette auf die Zukunft

Heidelberger Druckmaschinen sucht auch außerhalb des Kerngeschäfts nach Wachstum. Über das Joint Venture ONBERG Autonomous Systems mit dem US-israelischen Partner Ondas baut der Konzern eine Sparte für Drohnenabwehrsysteme auf. Mittelfristig soll dieses Geschäft 300 Millionen Euro Umsatz bringen.

Im angestammten Verpackungsdruck liefert die Schweizer Wintipak AG ein positives Signal. Das Unternehmen bestellte eine Inline-Flexodruckmaschine vom Typ „Boardmaster“. Die Bestellung bestätigt aus Sicht des Managements die Strategie, stärker auf Verpackungsdruck zu setzen.

Analysten sehen Chancen trotz Verlustjahr

Warburg Research stuft die Aktie auf „Buy“ hoch und setzt ein Kursziel von 1,80 Euro. Die Analysten begründen das mit der Neuausrichtung auf margenstärkere Geschäftsfelder.

Der Markt bewertet die Aktie derzeit deutlich vorsichtiger. Der Kurs liegt 17,54 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,68 Euro. Auch der 50-Tage-Durchschnitt von 1,44 Euro liegt über dem aktuellen Kurs.

Am 23. Juli 2026 entscheidet die Hauptversammlung über den Dividendenvorschlag. Der nächste konkrete Fingerzeig zur Transformation kommt mit dem Quartalsbericht am 19. August 2026.