Heidelberger Druckmaschinen baut sein Verpackungsgeschäft aus, kauft zu und wagt sogar den Sprung in die Drohnenabwehr. Für die Aktionäre bedeutet der Umbau trotzdem: keine Dividende und ein zweistelliger Millionenverlust im laufenden Geschäftsjahr.

Zukäufe stärken Verpackung und Service

Anfang Juli 2026 hat Heidelberger Druckmaschinen mehrere Übernahmen abgeschlossen. Der Konzern übernimmt das Lifecycle-Geschäft sowie die globalen Vertriebs- und Servicegesellschaften der manroland sheetfed Gruppe. Damit gewinnt Heidelberg über 3.000 zusätzliche Kunden und rund 600 neue Mitarbeiter. Das Ziel: das margenstarke Ersatzteilgeschäft ausbauen.

Zusätzlich übernimmt der Konzern die Produktion von POLAR Maschinen und Systemen. Die Entwicklung bindet Heidelberg in die eigene Organisation ein. Damit stärkt das Unternehmen seine Position im Verpackungs- und Etikettenmarkt und treibt neue Lösungen bei Automatisierung und Workflow voran.

Ein Auftrag des Schweizer Verpackungsherstellers WINTIPAK unterstreicht diese Strategie. Das Unternehmen bestellt eine neue Inline-Flexodruckmaschine vom Typ Boardmaster, um seine Kapazitäten in Halle an der Saale zu erweitern. Die Maschine erreicht Geschwindigkeiten bis 600 Meter pro Minute und senkt den Anlaufabfall um bis zu 90 Prozent.

Verlust, Jobabbau und gestrichene Dividende

Der Ausbau kostet Geld. Für das Geschäftsjahr 2026/2027 erwartet der Vorstand einen Nettoverlust im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

Im vergangenen Geschäftsjahr 2025/2026 sank der Auftragseingang um acht Prozent. Der freie Cashflow rutschte ins Minus. Auf der virtuellen Hauptversammlung am 23. Juli 2026 schlägt der Vorstand deshalb vor, die Dividende für 2025/2026 komplett zu streichen. Das Management begründet den Schritt mit dem Kapitalbedarf für den Konzernumbau.

Zum Sparprogramm gehört auch der Abbau von über 550 Arbeitsverträgen. Heidelberg verlagert außerdem Produktionskapazitäten nach China und Nordmazedonien. Die Liquidität sichert ein Konsortialkredit über 436 Millionen Euro, den die Banken vorzeitig bis 2030 verlängert haben.

Diversifikation: Drohnenabwehr statt nur Druck

Parallel zum Kerngeschäft treibt Heidelberg die Diversifikation voran. Im April 2026 startete das Joint Venture ONBERG Autonomous Systems in Brandenburg an der Havel. Heidelberg hält 49 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen mit Ondas Autonomous Systems.

Ziel ist es, die Maschinenbau-Kompetenz des Konzerns auf Anwendungen in der Drohnenabwehr zu übertragen. Damit will Heidelberg seine Abhängigkeit vom zyklischen Druckereigeschäft senken.

Die Aktie schloss am Freitag bei 1,41 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier damit 30,49 Prozent verloren. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2,54 Euro trennen den Titel mittlerweile 44,34 Prozent, der RSI von 44,9 signalisiert derzeit weder eine überkaufte noch überverkaufte Marktlage.

Am 23. Juli 2026 stimmen die Aktionäre über den Dividendenvorschlag ab. Bis dahin bleibt die Aktie mit einer annualisierten Volatilität von 41,46 Prozent klar schwankungsanfällig.