Die Heidelberger Druckmaschinen AG befindet sich in einer Phase der strategischen Neuausrichtung, während das operative Geschäft mit Herausforderungen im Marktumfeld kämpft. Am gestrigen Dienstag schloss die Aktie im Handel bei 1,43 Euro. Damit verzeichnet das Papier seit Jahresbeginn ein Minus von 29 Prozent, notiert jedoch aktuell rund 1,6 Prozent über seinem gleitenden Durchschnitt der vergangenen 50 Tage.
Belastungsfaktoren im Kerngeschäft und Wachstum in Asien
Die Ergebnisse für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 verdeutlichen die aktuelle Übergangsphase. Der Nettoumsatz sank auf 404 Millionen Euro, nachdem er im Vorjahreszeitraum noch bei 466 Millionen Euro gelegen hatte.
Ein wesentlicher Grund für diesen Rückgang war das Auslaufen eines staatlichen Förderprogramms in Italien, was das Ergebnis mit über 60 Millionen Euro belastete. Auch der Auftragseingang gab leicht nach und erreichte 537 Millionen Euro.
Trotz der Schwäche in der Region EMEA gab es positive Impulse aus anderen Märkten. Besonders in China und Asien konnte das Unternehmen eine bessere Entwicklung verzeichnen, die einen Teil der Einbußen kompensierte.
Während das Segment für Druck- und Verpackungsmaschinen rückläufige Zahlen meldete, konnte der Bereich Digital Solutions & Lifecycle beim Auftragseingang um 5 Prozent zulegen. Die Prognose für das gesamte Geschäftsjahr behält das Management trotz des verhaltenen Starts bei.
Diversifizierung durch Batterietechnik und Akquisitionen
Um die Abhängigkeit vom klassischen Druckmaschinenmarkt zu verringern, treibt das Unternehmen seine Transformation zum Technologiekonzern voran. Ein zentraler Baustein ist die im Juli gestartete Zusammenarbeit mit dem Partner Phenogy im Bereich der Natrium-Ionen-Batteriespeicher.
Hier fertigt die Sparte HD Advanced Technologies komplette Energiespeichersysteme. Ein Joint Venture zur Entwicklung und Fertigung eigener Batteriezellen befindet sich in der Vorbereitung.
Zusätzlich stärkt Heidelberg das Servicegeschäft durch gezielte Zukäufe. Die Übernahme des Ersatzteil- und Servicegeschäfts der manroland sheetfed Gruppe sowie der Abschluss der Akquisition der Polar-Produktion für Schneidsysteme wurden bereits vollzogen.
Diese Maßnahmen sollen den Anteil wiederkehrender Umsätze erhöhen und die Profitabilität stabilisieren. Die Verlagerung der Polar-Fertigung an den neuen Standort in Nordmazedonien, der seit diesem Jahr in Betrieb ist, soll zudem zur Kostensenkung beitragen.
Analysten sehen Potenzial trotz Kursverlusten
Die Analysten bewerteten die jüngsten Quartalszahlen sowie die strategischen Schritte unterschiedlich, bleiben aber insgesamt optimistisch für die Aktie. Die Experten von mwb research senkten ihr Kursziel am 19. August leicht von 2,50 Euro auf 2,35 Euro, bekräftigten jedoch ihre Kaufempfehlung. Sie bezeichneten das Quartal als gemischt und verwiesen darauf, dass der Umsatz hinter den Konsensschätzungen zurückgeblieben sei.
Warburg Research bestätigte am selben Tag ebenfalls eine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 1,80 Euro. Das Analysehaus stuft das erste Quartal als gewohnt saisonal schwach ein, hob jedoch den ordentlichen Auftragseingang positiv hervor.
Parallel dazu bereitet sich das Unternehmen auf einen Wechsel im Finanzressort vor: Christoph Burkhard wird zum 1. Oktober das Amt des Finanzvorstands übernehmen, während der bisherige Amtsinhaber Volker Herdin in den Ruhestand tritt.
Medienberichten zufolge konnte die Aktie im August eine Erholung von 8,72 Prozent erzielen, was die Erwartungshaltung des Marktes an die laufende Transformation widerspiegelt.
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