Heidelberger Druckmaschinen baut radikal um. Der Traditionskonzern streicht Stellen, verlagert die Produktion und steigt sogar ins Rüstungsgeschäft ein. Die Kosten für diesen Kraftakt fressen den Gewinn auf. Die Folge: Aktionäre sollen auf ihre Dividende verzichten.

Angriff im Servicegeschäft

Im Kerngeschäft sichert sich das Management neue Einnahmequellen. Der Konzern übernimmt das Servicegeschäft des insolventen Konkurrenten Manroland Sheetfed. Das bringt rund 600 neue Mitarbeiter. Zusätzlich erhält Heidelberg die Rechte an einer wichtigen Großformat-Druckmaschine. Das Unternehmen will seine installierte Basis dauerhaft betreuen. So fließen verlässliche Umsätze statt reiner Einmalerlöse.

Produktion wandert ab

Parallel dazu schrumpft die heimische Fertigung. Mehr als 550 Mitarbeiter haben bereits Aufhebungsverträge unterschrieben. Die Produktion des Flaggschiff-Modells verlagert der Vorstand komplett nach China. In Nordmazedonien baut das Unternehmen die Montage von Weiterverarbeitungssystemen aus. Diese harten Schnitte sollen die Herstellungskosten massiv senken.

Rüstungsfantasie und rote Zahlen

Völliges Neuland betritt der Maschinenbauer im Verteidigungsmarkt. Das Joint Venture ONBERG zur Drohnenabwehr hat den operativen Betrieb aufgenommen. Der Kapitalmarkt reagiert auf diese Rüstungspläne allerdings skeptisch.

Die Umstrukturierungen belasten die Kasse enorm. Im abgelaufenen Geschäftsjahr rutschte der freie Cashflow bereits ins Minus. Für das laufende Jahr rechnet das Management sogar mit einem zweistelligen Millionenverlust. Auf der Hauptversammlung im Juli steht daher die Streichung der Dividende auf der Agenda. Immerhin sichert ein verlängerter Konsortialkredit über 436 Millionen Euro die Liquidität bis zum Jahr 2030.

An der Börse hinterlässt der Umbau tiefe Spuren. Die Aktie schloss am Freitag bei 1,42 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf fast 30 Prozent. Damit notiert das Papier deutlich unter seinem langfristigen Durchschnitt. Die hohe Schwankungsbreite zeigt die Nervosität der Investoren. Solange das neue Service- und Rüstungsgeschäft keine belastbaren Gewinne abwirft, bleibt die Aktie ein riskantes Restrukturierungsprojekt.