Wachsen und schrumpfen gleichzeitig — Heidelberger Druckmaschinen macht beides auf einmal. Der Konzern übernimmt das Servicegeschäft der insolventen Manroland Sheetfed Gruppe und baut parallel hunderte Stellen ab. Das klingt widersprüchlich, folgt aber einer klaren Logik.

Manroland-Deal: 600 Mitarbeiter, 3.000 neue Kunden

Mit der Akquisition holt Heidelberger Druckmaschinen rund 600 Manroland-Mitarbeiter ins Haus. Dazu kommen globale Vertriebs- und Servicegesellschaften sowie die Rechte an der Großformat-Druckmaschine Roland 900. Der Konzern erschließt sich damit über 3.000 neue Kunden.

Das Ziel: mehr planbare Einnahmen. Servicegeschäft und Ersatzteilverkauf liefern stabilere Margen als das schwankende Neumaschinengeschäft. Heidelberger will diesen Anteil am Umsatz gezielt ausbauen.

Analysten begrüßen den Schritt. Warburg Research stufte die Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hoch und hob das Kursziel von 1,60 auf 1,80 Euro an. mwb research bestätigte eine Kaufempfehlung mit einem Ziel von 2,50 Euro. Beide Häuser werten den Deal als strategisch sinnvoll.

Restrukturierung drückt auf die Zahlen

Am Stammsitz Wiesloch-Walldorf baut Heidelberger 450 Stellen ab. Bereits über 550 Aufhebungsverträge wurden unterzeichnet — der Umbau läuft schneller als geplant. Die Kosten schlagen durch: Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Vorstand einen Nettoverlust im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

Der Umsatz soll sich auf Vorjahresniveau von rund 2,29 Milliarden Euro halten. Warburg Research senkte die kurzfristigen Gewinnschätzungen wegen der Restrukturierungskosten um 13 Prozent.

Finanziell steht der Konzern trotzdem auf festem Boden. Ein Konsortialkredit über 436 Millionen Euro sichert die Liquidität bis 2030. Die Dividende fällt weg — die freiwerdenden Mittel fließen direkt in den Umbau. Über den Kurs abstimmen sollen die Aktionäre auf der Hauptversammlung am 23. Juli 2026.

Aktie weit unter alten Höchstständen

Der Kurs spiegelt die schwierige Phase wider. Die Aktie notiert bei 1,39 Euro — rund 19 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt und seit Jahresbeginn fast 32 Prozent im Minus.

Neben dem Kerngeschäft treibt Heidelberger auch neue Technologiefelder voran. Das Joint Venture ONBERG Autonomous Systems zielt auf Drohnenabwehr — ein Feld weit entfernt vom klassischen Druckmaschinenbau. Ob die Kombination aus Manroland-Übernahme, Stellenabbau und Diversifizierung greift, zeigen die Quartalszahlen am 19. August 2026.