Ein Traditionskonzern baut sich neu. Heidelberger Druckmaschinen steigt in Drohnenabwehr und Batterietechnik ein. Der Preis dafür: ein Nettoverlust im laufenden Geschäftsjahr.

Neue Geschäftsfelder statt reinem Maschinenbau

Der Konzern will unabhängiger vom zyklischen Druckmaschinengeschäft werden. Ein zentraler Baustein ist das Joint Venture ONBERG Autonomous Systems. Partner ist die US-israelische Ondas Autonomous Systems.

In Brandenburg an der Havel hat das Unternehmen kürzlich einen „Live Hub“ eröffnet. Dort zeigen die Partner autonome Drohnenabwehrsysteme im Echtbetrieb. Die Zielgruppe: Betreiber kritischer Infrastruktur und militärische Kunden.

Parallel baut Heidelberger Druckmaschinen das Geschäft mit Energiespeichern aus. Über eine Partnerschaft mit der Schweizer PHENOGY AG übernimmt der Konzern die Fertigung von Natrium-Ionen-Batteriespeichern. Diese Technologie gilt als günstigere Alternative zu klassischen Lithium-Ionen-Systemen. Heidelberger Druckmaschinen nutzt dafür seine bestehenden Werke und sein Know-how in der Präzisionsmontage.

Der Umbau kostet Geld

Der neue Kurs hat seinen Preis. Für das Geschäftsjahr 2026/2027 rechnet der Vorstand mit einem Nettoverlust im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Grund sind hohe Vorlaufkosten für den Konzernumbau und Investitionen in die chinesischen Werke.

Ein Beispiel zeigt das Ausmaß der Verlagerung: Die Montage des meistverkauften Modells Speedmaster CX 104 läuft mittlerweile komplett im chinesischen Qingpu. Damit will der Konzern seine Wettbewerbsfähigkeit sichern.

Noch im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025/2026 lief es besser. Bei einem Umsatz von rund 2,29 Milliarden Euro stand ein Nettogewinn von 15 Millionen Euro zu Buche. Die Aktionäre profitierten davon trotzdem nicht: Auf der Hauptversammlung am 23. Juli 2026 beschloss der Konzern den vierten Dividendenverzicht in Folge. Das Geld soll die Liquidität für den Umbau sichern.

Aktie nahe Jahrestief

Der Markt reagiert bislang zurückhaltend. Die Aktie schloss am Freitag bei 1,36 Euro, ein Minus von 0,80 Prozent. Seit Jahresbeginn hat der Titel rund 33 Prozent verloren und bewegt sich damit klar in Tiefstkurs-Nähe.

Ein Lichtblick für die Finanzierung kam schon vorher: Der Konzern hat seinen Konsortialkredit über 436 Millionen Euro vorzeitig bis 2030 verlängert. Das verschafft dem Unternehmen finanziellen Spielraum für die Transformation, auch wenn die Aktie davon bisher nicht profitiert.

Für die kommende Woche erwartet der Markt keine neuen Unternehmenszahlen. Der nächste wichtige Termin folgt am 19. August 2026, wenn Heidelberger Druckmaschinen die Zahlen für das erste Quartal vorlegt. Dann zeigt sich, wie stark die Transformationskosten die Marge bereits belasten – und ob das neue Verteidigungsgeschäft erste Umsätze bringt.