Heidelberger Druckmaschinen baut Fertigung in China und Nordmazedonien aus. Der Konzern steigt ins Rüstungsgeschäft ein. Trotzdem sollen die Aktionäre in diesem Jahr leer ausgehen.

Der Vorstand schlägt für das Geschäftsjahr 2025/2026 eine Nullrunde bei der Dividende vor. Über diesen Punkt stimmen die Aktionäre auf der ordentlichen Hauptversammlung ab. Sie findet am 23. Juli 2026 virtuell statt.

Für das laufende Geschäftsjahr 2026/2027 rechnet das Management zusätzlich mit einem Nettoverlust. Er soll im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen. Grund sind hohe Strukturkosten und die Anlaufphase neuer Geschäftsfelder.

Produktion wandert nach Asien

Heidelberger Druckmaschinen steckt mitten in einem tiefen Umbau. Die Speedmaster CX 104, das meistverkaufte Modell des Unternehmens, wird künftig komplett im chinesischen Qingpu gefertigt. Parallel baut der Konzern die Montage in Nordmazedonien aus.

Am deutschen Stammsitz Wiesloch-Walldorf trifft der Umbau rund 450 Stellen. Das Unternehmen hat bereits über 550 Aufhebungsverträge abgeschlossen. Die Maßnahmen sollen Herstellungskosten senken und die Profitabilität zurückbringen.

Neue Standbeine: Verpackung, Service, Drohnenabwehr

Der Konzern setzt zugleich auf Diversifikation. Seit dem 1. Juli 2026 gehören das Lifecycle-Geschäft und die globalen Vertriebs- und Servicegesellschaften der manroland sheetfed Gruppe zu Heidelberger Druckmaschinen. Zusätzlich hat der Konzern die vollständige Übernahme von POLAR vereinbart.

Der auffälligste Schritt betrifft ein ganz anderes Feld: Über das Gemeinschaftsunternehmen ONBERG produziert Heidelberger Druckmaschinen in Brandenburg Drohnenabwehrsysteme. Partner ist ein ukrainisches Unternehmen. Mittelfristig peilt der Konzern in diesem neuen Segment einen Umsatz von 300 Millionen Euro an. Vorstandschef Jürgen Otto verantwortet diesen Kurswechsel.

Aktie kämpft mit dem Abwärtstrend

Die Aktie notiert aktuell bei 1,42 Euro, nahezu unverändert zum Vortag. Seit Jahresanfang hat das Papier fast 30 Prozent verloren. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 1,70 Euro fehlen gut 16 Prozent.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 2,54 Euro aus dem Juli 2025 trennen die Aktie mittlerweile fast 44 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 1,29 Euro aus dem März 2026 hat sich der Kurs dagegen um gut 10 Prozent erholt. Die Schwankungsbreite bleibt mit einer annualisierten Volatilität von über 41 Prozent hoch.

Am 23. Juli 2026 entscheidet sich, ob die Aktionäre der Nullrunde zustimmen. Bis dahin bleibt die Kombination aus Sparprogramm, Werksverlagerung und neuen Wachstumsfeldern der Maßstab, an dem sich der Umbau von Heidelberger Druckmaschinen messen lassen muss.