Heidelberger Druckmaschinen baut um. Der Preis dafür: Aktionäre bekommen keine Dividende. Der Vorstand schlägt auf der Hauptversammlung am 23. Juli 2026 vor, den Gewinn komplett im Unternehmen zu behalten.
Die Kursentwicklung zeigt, wie skeptisch der Markt diese Strategie derzeit bewertet. In den vergangenen 30 Tagen verlor die Aktie 13,16 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 32,41 Prozent zu Buche. Am Freitag schloss das Papier bei 1,37 Euro – deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,44 Euro und weit entfernt vom 52-Wochen-Hoch bei 2,54 Euro.
Umbau in drei Richtungen
Heidelberger Druckmaschinen will kein reiner Maschinenbauer mehr sein. Das Unternehmen baut sein Verpackungs- und Servicegeschäft aus. Anfang Juli 2026 schloss der Konzern die Integration des weltweiten Lifecycle-Geschäfts von Manroland Sheetfed ab. Auch die Integration des Partners POLAR ist beendet – dessen Schneidemaschinen-Produktion läuft künftig komplett in eigener Regie.
Ein zweites Standbein entsteht im Bereich Verteidigung. Über das Joint Venture ONBERG Autonomous Systems mit dem US-israelischen Partner Ondas baut Heidelberger Druckmaschinen Systeme zur Drohnenabwehr auf. Eine Absichtserklärung mit einem ukrainischen Drohnenunternehmen soll auf der ILA Berlin Air Show vorgestellt werden. Das Ziel: weniger Abhängigkeit vom schwankenden Druckmaschinengeschäft.
Drittens verlagert der Konzern seine Produktion. Die Fertigung des Volumenmodells Speedmaster CX 104 wandert komplett nach China. Spezialmaschinen entstehen künftig verstärkt in Nordmazedonien und im Werk Halle. Am Stammsitz Wiesloch-Walldorf baut das Unternehmen dagegen Stellen ab.
Ein Kunde als Beleg
Dass die neue Strategie im Markt ankommt, zeigt ein konkreter Auftrag. Die Schweizer Wintipak AG bestellte am 11. Juli 2026 eine Inline-Flexodruckmaschine des Typs „Boardmaster“. Die Maschine wird in Halle gefertigt und ist auf aseptische Verpackungen für flüssige Lebensmittel spezialisiert. An Bord: das KI-System Intellimatch zur frühzeitigen Fehlererkennung.
Verlust einkalkuliert
Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025/2026 erzielte Heidelberger Druckmaschinen noch einen Nettogewinn von rund 15 Millionen Euro. Für das laufende Jahr 2026/2027 rechnet der Vorstand dagegen mit einem Nettoverlust im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Grund sind hohe Strukturkosten und Anlaufverluste in den neuen Geschäftsfeldern.
Der Konzern erwartet dennoch stabile Umsätze auf Vorjahresniveau. Die bereinigte EBITDA-Marge soll sich spürbar verbessern. Genau diese Kombination aus kurzfristigem Verlust und langfristigem Umbau muss der Vorstand den Aktionären auf der Hauptversammlung erklären.
Warburg Research bewertet die Aktie trotz der schwachen Kursentwicklung mit „Buy“ und nennt ein Kursziel von 1,80 Euro. Das würde gegenüber dem aktuellen Kurs einem Aufschlag von rund 31 Prozent entsprechen. Ob sich diese Einschätzung bestätigt, dürfte sich mit den Quartalszahlen zeigen, die Heidelberger Druckmaschinen für den 19. August 2026 angekündigt hat.
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