Heidelberger Druckmaschinen hat im Geschäftsjahr 2025/26 einen Nettogewinn von 15 Millionen Euro erzielt. Trotzdem stimmen die Aktionäre auf der heutigen virtuellen Hauptversammlung voraussichtlich für den vollständigen Verzicht auf eine Dividende. Das Management will die Liquidität lieber in den Umbau des Konzerns stecken, statt sie an die Aktionäre auszuschütten.

Der Kurs spiegelt diese Skepsis wider. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 31,97 Prozent verloren und notiert aktuell bei 1,38 Euro.

Die entscheidende Frage: Reicht das neue Geschäft für die Wende?

Heidelberger Druckmaschinen setzt auf zwei neue Standbeine: Drohnenabwehr über das Joint Venture ONBERG und Batterietechnologie über die Partnerschaft mit PHENOGY. Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 rechnet das Unternehmen bereits mit einem Nettoverlust im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

Skalieren ONBERG und PHENOGY schnell genug, um diesen Verlust auszugleichen? Der Markt bewertet den Konzern derzeit nur mit 424 Millionen Euro Marktkapitalisierung. Das ist wenig angesichts der jüngsten Zukäufe und Partnerschaften – ein Zeichen tiefer Zweifel am Kerngeschäft.

Bullisches Szenario: Natrium-Ionen-Batterien und manroland-Integration

Für eine Erholung sprechen mehrere Bausteine der neuen Strategie. Am 21. Juli 2026 gab Heidelberger Druckmaschinen die Partnerschaft mit PHENOGY bekannt. Gemeinsam wollen beide Unternehmen eine Plattform für Natrium-Ionen-Batteriespeicher aufbauen – eine günstigere Alternative zu Lithium-Ionen-Akkus mit Zugang zu einem wachsenden Energiemarkt.

Hinzu kommt die zum 1. Juli 2026 abgeschlossene Übernahme der manroland sheetfed Gruppe mit rund 3.000 Kunden. Sie eröffnet Chancen auf Synergien und eine Konsolidierung im Bogenoffsetdruck. Läuft auch das im April gestartete Verteidigungs-Joint-Venture ONBERG erfolgreich an, könnte dies eine Neubewertung der Aktie anstoßen.

Charttechnisch liegt außerdem eine mögliche Unterstützung nahe: Der Kurs ist nur noch 6,89 Prozent vom 52-Wochen-Tief bei 1,29 Euro entfernt. Antizyklische Käufer könnten diese Zone als Einstiegspunkt lesen.

Bärisches Szenario: Verlust-Prognose und Abwärtstrend

Dem optimistischen Bild steht ein hartes fundamentales Umfeld gegenüber. Die Verlust-Prognose für 2026/27 belastet die Stimmung schwer. Der Dividendenverzicht dürfte zudem klassische Value-Anleger verschrecken – sie gehen trotz des Vorjahresgewinns leer aus.

Auch das Chartbild bleibt schwach. Der Kurs liegt 16,35 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,65 Euro. Das deutet auf einen intakten Abwärtstrend hin.

Der 50-Tage-Durchschnitt bei 1,42 Euro wirkt zusätzlich als kurzfristiger Widerstand. Korrigiert der Gesamtmarkt, droht ein erneuter Test des 52-Wochen-Tiefs bei 1,29 Euro.

Ein Bruch nach unten würde das Bild weiter eintrüben. Zum 52-Wochen-Hoch bei 2,54 Euro fehlen dann schon 45,52 Prozent.

Ausblick: Q1-Bericht als nächster Prüfstein

Wie schnell sich die manroland-Synergien in Zahlen zeigen, dürfte die Kursentwicklung in den kommenden Monaten prägen. Solange der Kurs unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,42 Euro bleibt, bleibt auch das technische Risiko für weitere Abgaben hoch.

Eine echte Bodenbildung setzt voraus, dass sich die Abwärtsbewegung am 52-Wochen-Tief stabilisiert. Zusätzlich müsste der RSI von aktuell 46,7 nach oben drehen.

Der nächste konkrete Termin steht schon fest: Am 19. August 2026 veröffentlicht Heidelberger Druckmaschinen den Bericht zum ersten Quartal. Entscheidend wird, ob sich der erwartete Nettoverlust schon dort zeigt – oder ob ONBERG und PHENOGY erste positive Impulse liefern. Bis dahin dürfte die Unsicherheit über die Finanzierung des Umbaus ohne Dividende das Geschehen bestimmen.