Druckmaschinen und Drohnenabwehr — das klingt nach einem ungewöhnlichen Mix. Heidelberger Druckmaschinen versucht genau das: den Konzern aus einem schrumpfenden Kerngeschäft heraus in den Rüstungsmarkt zu führen. Bis das fruchtet, bleibt die Finanzlage angespannt.

ONBERG: Der Rüstungsarm nimmt Form an

Das Joint Venture ONBERG Autonomous Systems entstand gemeinsam mit Ondas Autonomous Systems. Heidelberger Druckmaschinen hält 49 Prozent. Produziert wird bereits im Werk Brandenburg an der Havel — Schwerpunkt: Drohnenabwehr.

Auf der ILA unterzeichnete ONBERG eine Absichtserklärung mit dem ukrainischen Drohnenhersteller Skyeton. Ziel ist die Serienproduktion NATO-konformer Aufklärungsdrohnen. Bis zu 200 Mitarbeiter aus dem Kerngeschäft sollen in den Verteidigungsbereich wechseln. Außerdem läuft eine Partnerschaft mit VINCORION.

Schwieriges Finanzbild

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Der Nettoumsatz 2025/26 stieg zwar um ein Prozent auf 2,293 Milliarden Euro — lag damit aber 2,4 Prozent unter der eigenen Prognose. Schuld war Währungsgegenwind. Die bereinigte EBITDA-Marge fiel von 7,1 auf 6,6 Prozent. Der freie Cashflow rutschte auf minus 19 Millionen Euro.

Für 2026/27 plant der Vorstand mit stagnierenden Umsätzen und einem Nettoverlust im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Der freie Cashflow bleibt negativ — die Investitionen in den Verteidigungsbereich kosten. Erst in den Folgejahren soll er ins Plus drehen.

Restrukturierung läuft auf vollen Touren

Mehr als 550 Aufhebungsverträge wurden abgeschlossen. Die Produktion des Flaggschiff-Modells Speedmaster CX 104 wanderte vollständig nach China — ins Werk Qingpu. Hinzu kommt ein neuer Standort in Nordmazedonien, dessen Aufbau 2026 beginnt.

Die Finanzierungsbasis steht: Das Unternehmen stockte seine syndizierte Kreditlinie auf 436 Millionen Euro auf und verlängerte die Laufzeit bis 2030.

HV am 23. Juli: Dividende fällt weg

Am 23. Juli 2026 findet die virtuelle Hauptversammlung statt. Der Vorstand stellt die Dividendenstreichung zur Abstimmung — das Geld soll in den Umbau fließen. Das abgelaufene Geschäftsjahr lieferte noch einen Nettogewinn von 15 Millionen Euro, reicht aber offenbar nicht für eine Ausschüttung.

Parallel erhöht der Druck von Shortsellern. WorldQuant stieg auf 1,03 Prozent, Citadel Advisors auf 0,93 Prozent. Quble Research & Technologies reduzierte leicht auf 0,79 Prozent. Die Aktie notiert rund 44 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 2,54 Euro.

Ob ONBERG schnell genug wächst, um die Verluste im Kerngeschäft zu kompensieren, wird die HV am 23. Juli nicht beantworten — aber zumindest zeigen, wie viel Geduld die Aktionäre noch aufbringen.