Druckmaschinen, Drohnenabwehr, Nordmazedonien: Heidelberger Druckmaschinen arbeitet gerade an einer tiefgreifenden Neuausrichtung — und der Markt reagierte heute morgen positiv darauf.

Der SDAX-Konzern hat mit dem Jahresabschluss 2025/26 ein durchwachsenes Bild geliefert. Der Umsatz stieg leicht auf 2,29 Milliarden Euro, verfehlte damit aber das eigene Ziel von 2,35 Milliarden Euro. Währungsgegenwind von rund 69 Millionen Euro drückte die Zahlen — bereinigt darum hätten die Erlöse knapp im Zielkorridor gelegen. Die bereinigte EBITDA-Marge rutschte von 7,1 auf 6,6 Prozent, ebenfalls unter der eigenen Prognose von bis zu 8 Prozent. Belastet haben Vorabinvestitionen im Rüstungsbereich, ein ungünstiger Produktmix und der abrupte Einbruch der Investitionsbereitschaft nach Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar.

Kosten raus, Produktion verlagert

Für das laufende Jahr 2026/27 verspricht das Management um Konzernchef Jürgen Otto eine spürbare Margenverbesserung — bei stabilen Umsätzen. Die Mittel dafür: Die Produktion der Speedmaster CX 104 wurde vollständig nach China verlagert, ein neuer Standort in Nordmazedonien soll weitere Kostenvorteile bei einzelnen Produktgruppen bringen. Der bereits laufende Personalabbau an deutschen Standorten setzt sich fort — per Ende März 2026 zählte der Konzern 9.065 Mitarbeiter, 244 weniger als ein Jahr zuvor.

Ein Wermutstropfen: Die Heidelberger Druckmaschinen AG als Muttergesellschaft rechnet für 2026/27 mit einem Nettoverlust im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Auf Konzernebene soll die Profitabilität hingegen steigen. Der Unterschied erklärt sich unter anderem durch konzerninternes Ergebnismanagement und die Kostenstruktur der Holding.

Rüstung als neues Standbein

Das strategisch interessanteste Kapitel ist der Einstieg in die Verteidigung. Im März gründete Heidelberger Druckmaschinen das Joint Venture Onberg mit dem US-amerikanisch-israelischen Anbieter Ondas Autonomous Systems — Schwerpunkt: autonome Drohnenabwehrsysteme. Noch diese Woche soll auf der Messe ILA in Berlin eine Absichtserklärung zur potenziellen Zusammenarbeit mit einem ukrainischen Unternehmen im Drohnenbereich veröffentlicht werden.

Das Kerngeschäft mit Druckmaschinen bleibt strukturell unter Druck: Eingehende Aufträge fielen auf 2,25 Milliarden Euro, der Auftragsbestand zum Jahresende sank auf 639 Millionen Euro. Das Management selbst erwartet, dass die Investitionsbereitschaft in Print & Packaging schwach bleibt. Ob der Verteidigungsbereich schnell genug wächst, um diese Lücke mittelfristig zu schließen, wird sich an konkreten Auftragszahlen aus dem neuen Segment zeigen — erste Hinweise dürften mit den Halbjahreszahlen im Herbst folgen.