Heidelberger Druckmaschinen treibt den radikalen Konzernumbau voran. Der Traditionskonzern baut ab sofort autonome Drohnenabwehrsysteme. Dieser Schwenk in die Rüstungsindustrie kostet zunächst viel Geld. Das drückt auf die kurzfristige Gewinnprognose.

Um diese Neuausrichtung abzusichern, setzt der Aufsichtsrat auf personelle Kontinuität. Das Gremium verlängerte die Verträge der Führungsspitze vorzeitig. Vorstandschef Jürgen Otto bleibt bis Mitte 2029 im Amt. Vertriebsvorstand David Schmedding bindet sich sogar bis 2031 an das Unternehmen.

Drohnenabwehr für kritische Infrastruktur

Das neue Joint Venture ONBERG hat seinen Betrieb in Brandenburg an der Havel aufgenommen. Die Heidelberger Tochtergesellschaft hält 49 Prozent der Anteile. Die Mehrheit liegt beim amerikanisch-israelischen Partner Ondas Autonomous Systems. Gemeinsam fertigen sie Abwehrsysteme gegen feindliche Drohnen.

Das erste System namens „Iron Drone Raider“ fängt Fluggeräte mit autonomen Drohnen ab. Der Markt dafür ist groß. Allein in Deutschland fallen rund 2.000 Anlagen unter das verschärfte Gesetz für kritische Infrastrukturen. Diese Betreiber stehen unter massivem regulatorischem Druck. Sie müssen ihre Schutzmaßnahmen schnell aufrüsten.

Heidelberg fährt dabei eine klare Strategie. Die Technologie eignet sich für militärische und zivile Zwecke gleichermaßen. Der operative Start erfolgt in Deutschland und der Ukraine. Dort testet das Joint Venture die Systeme unter realen Kriegsbedingungen. Ein harter, aber wertvoller Praxisbezug.

Hohe Vorlaufkosten belasten die Prognose

Der Aufbau dieses neuen Geschäftsfelds fordert finanzielle Opfer. Vorabinvestitionen in die Verteidigungssparte belasten die Bilanz. Parallel dazu halten sich Kunden seit dem Iran-Konflikt mit Aufträgen zurück. Das Management musste deshalb die Prognose für das laufende Geschäftsjahr kappen.

Wirkliche Umsatzbeiträge aus der Drohnenabwehr fließen voraussichtlich erst in der zweiten Jahreshälfte 2026. Bis dahin fehlt ein klarer finanzieller Hebel. Das klassische Druckgeschäft kämpft weiterhin mit Margendruck.

Am 10. Juni legt der Konzern seine vollständigen Jahreszahlen vor. Dann erwarten Investoren belastbare Details zur Margenstruktur. Das Management muss aufzeigen, wann die neuen Erlöse aus der Rüstung den Rückgang im Kerngeschäft ausgleichen.