Fast 41 Prozent unter dem Jahreshoch — und trotzdem mehrheitlich mit Kaufempfehlung. Bei Hensoldt klafft zwischen Börsenkurs und Analystenbild eine ungewöhnlich große Lücke.

Drei Analysten haben sich im vergangenen Monat zur Aktie geäußert: zwei mit Kaufen, einer mit Halten. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 96,00 Euro. Der Schlusskurs vom Dienstag betrug 67,98 Euro — ein Abstand von rund 41 Prozent nach oben.

Kursziele weit über dem Marktpreis

Deutsche Bank, Barclays und Jefferies nennen Kursziele von 101,00 Euro, 97,00 Euro und 90,00 Euro. Den jüngsten Impuls setzte die DZ Bank: Sie senkte am 29. Juni den fairen Wert von 98 auf 90 Euro, behielt aber die Kaufempfehlung. Analyst Holger Schmidt begründete die Anpassung mit dem Auftritt auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris. Er sieht Hensoldt bei Sensor- und Systemlösungen technologisch gut aufgestellt — und erwartet in der nächsten Dekade Wachstum im mittleren bis hohen Zehner-Prozent-Bereich.

Die Aktie notiert derzeit rund 12 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und mehr als 16 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Auf 30-Tage-Sicht steht ein Minus von 19 Prozent.

Operatives Fundament hält

Was den Analysten Rückenwind gibt: Das Unternehmen hat seine Jahresplanung zuletzt operativ bestätigt. Für 2026 peilt Hensoldt einen Umsatz von rund 2.750 Millionen Euro an, eine bereinigte EBITDA-Marge von 18,5 bis 19,0 Prozent und ein Book-to-Bill-Verhältnis von 1,5x bis 2,0x.

Der Auftragseingang im ersten Quartal verdoppelte sich mehr als: 1.483 Millionen Euro nach 701 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Auftragsbestand kletterte auf 9.801 Millionen Euro — gegenüber 6.929 Millionen Euro vor einem Jahr.

Hinzu kommt eine angehobene Cashflow-Prognose. Seit dem 1. Juni erwartet Hensoldt eine Free-Cashflow-Conversion von rund 50 Prozent des bereinigten EBITDA — zuvor waren es rund 40 Prozent. Als Grund nennt das Unternehmen höhere Kundenanzahlungen durch beschleunigte Beschaffungsprozesse in Deutschland.

Markt wartet auf Beweise

Der Analystenkonsens mit Stand 6. Juni sieht für 2026 einen Umsatz von 2.770 Millionen Euro, eine bereinigte EBITDA-Marge von 18,9 Prozent und einen Nettoverschuldungsgrad von 1,3x. Das deckt sich eng mit der eigenen Planung des Unternehmens.

Kurz gesagt: Das Zahlenwerk stimmt, der Kurs nicht. Hensoldt liegt nur noch 7,7 Prozent über dem 52-Wochen-Tief vom 26. Juni. Ob die Lücke zwischen Kursziel und Börsenkurs schmilzt, hängt davon ab, ob das Unternehmen die starke Auftragslage in den kommenden Quartalen in Marge und Cashflow übersetzen kann.