Während ein Analysehaus die Aktie auf „Sell“ herabstuft, greifen der eigene Vorstand und der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock beherzt zu. Der Kurs des Radar- und Sensorspezialisten notierte am Donnerstag bei 72,70 Euro und liegt damit noch immer 36,84 Prozent unter dem Rekordhoch vom 3. Oktober 2025.
Vorstand kauft nach Kursrutsch
Ende Juni markierte die Hensoldt-Aktie mit 63,12 Euro ein Jahrestief. Genau in diesem Bereich griffen CEO Oliver Dörre und Vorstandsmitglied Inka Tews in den vergangenen Wochen mehrfach zu eigenen Aktien, wie aus gemeldeten Insider-Transaktionen hervorgeht. Der Rücksetzer hatte einen konkreten Auslöser: Das Bundesverteidigungsministerium beendete Ende Juni das Fregattenprogramm F126 zugunsten der MEKO-Beschaffung. Hensoldt verliert dadurch ein Auftragsvolumen von rund 200 Millionen Euro für TRS-4D-Radare, wovon allerdings bereits mehr als ein Drittel umsatzwirksam verbucht war.
Anfang Juli folgte der nächste Dämpfer: Der Haushaltsausschuss des Bundestages billigte 9,5 Milliarden Euro für vier Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU – den Zuschlag für das Radarpaket erhielt jedoch der schwedische Wettbewerber Saab. Am Markt wurde dies als Rückschlag für Hensoldts Anspruch gewertet, als nationaler Rüstungs-Champion bei solchen Marineprojekten gesetzt zu sein.
Analysten uneins über Bewertung
Die widersprüchliche Nachrichtenlage spiegelt sich in den Einschätzungen der Analysten. Mwb research stufte die Aktie von „Hold“ auf „Sell“ herab und senkte das Kursziel auf 62,00 Euro. Begründet wird dies mit einer hohen Bewertung von rund dem 18-Fachen des für 2026 erwarteten Betriebsergebnisses sowie dem Risiko, dass lukrative Aufträge wie das MEKO-Radarpaket künftig verstärkt an Wettbewerber gehen könnten.
Diametral entgegengesetzt positioniert sich Jefferies. Analystin Chloe Lemarie bestätigte die Einstufung „Buy“ und hob das Kursziel von 90,00 auf 94,00 Euro an. Sie setzt vor allem auf das Segment Rüstungselektronik, das von verschobenen NATO-Verteidigungsbudgets profitieren soll. Die Kursentwicklung der vergangenen Woche gab eher der skeptischeren Seite recht: Auf Sieben-Tage-Sicht verlor die Aktie 2,23 Prozent.
BlackRock stockt auf, Blick auf Halbjahreszahlen
Auch institutionelle Investoren positionieren sich neu. BlackRock Inc. erhöhte zum Stichtag 13. Juli seine direkten Stimmrechtsanteile auf 3,17 Prozent, nach zuvor 2,81 Prozent. Inklusive Finanzinstrumenten summiert sich die Gesamtbeteiligung nun auf 4,997 Prozent. Bemerkenswert dabei: Der Vermögensverwalter schichtete signifikante Positionen von Derivaten in physische Aktien um – ein Signal für ein längerfristig angelegtes Engagement.
Strategisch bleibt Hensoldt zudem in der Softwarewelt aktiv. Das Unternehmen beteiligte sich an einer Series-A-Finanzierungsrunde über insgesamt 15 Millionen Euro für das Münchner beziehungsweise Berliner Software-Unternehmen Project Q, um die Kooperation bei softwarezentrierter Verteidigung und Multi-Domain-Integration zu vertiefen. Lead-Investor der Runde war der Expeditions Fund.
Operativ zeigte sich das Management zuletzt zuversichtlich: Anfang Juni hob Hensoldt das Ziel für den bereinigten Free Cashflow auf rund 50 Prozent des bereinigten operativen Ergebnisses an, zuvor waren es 40 Prozent. Die Umsatzprognose von etwa 2,75 Milliarden Euro für 2026 bestätigte das Unternehmen. Ob sich die Zuversicht der Vorstandskäufer bestätigt, dürfte sich am 31. Juli zeigen, wenn Hensoldt seinen Halbjahresfinanzbericht vorlegt.
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