In einem Umfeld, in dem Prognosen für viele Branchen schwerfallen, gerät auch der Verteidigungssektor zunehmend unter Erklärungsdruck. Wenn fundamentale Kennzahlen schwer einzuordnen sind, rückt die Charttechnik als Kompass in den Mittelpunkt. Das gilt insbesondere für die Aktie von Hensoldt, bei der sich fantastische Wachstumszahlen und verhaltene Kursreaktionen gegenüberstehen.

Prall gefüllte Bücher, aber verzögerte Gewinne

Die fundamentale Ausgangslage liest sich auf den ersten Blick hervorragend. Im ersten Halbjahr verdoppelte der Rüstungselektronik-Spezialist seinen Auftragseingang auf beeindruckende 2,8 Milliarden Euro. Dennoch reagierte der Markt nach der Zahlenvorlage Ende Juli zunächst verschreckt. Der Grund für die Skepsis liegt in der zeitlichen Verzögerung der Ertragsentwicklung: Ein Umsatzplus von 23,6 % und ein operativer Gewinnanstieg um 28 % verdeutlichen, dass sich der Auftragsregen nicht über Nacht in explodierenden Reingewinnen niederschlägt. In einer hochkomplexen Hightech-Sparte lassen sich Produktionskapazitäten schlichtweg nicht beliebig schnell skalieren.

Klassisches Patt bei den Analysten

Diese Unsicherheit spiegelt sich auch in den Expertenurteilen wider. Das Lager der Analysten zeigt sich gespalten: Kauf- und Halteempfehlungen halten sich die Waage. Das durchschnittliche Kursziel von 92,60 Euro liegt genau im aktuell umkämpften Chartbereich, während die enorme Spanne der Einzelziele – von vorsichtigen 62 Euro bis hin zu optimistischen 105 Euro – unterstreicht, wie uneins der Markt über die faire Bewertung des Titels ist.

Charttechnik liefert die Entscheidungssignale

Der Aktie gelang es zwar, die monatelange Widerstandszone zwischen 82,98 und 85,35 Euro zu überwinden, drehte dann jedoch punktgenau am bisherigen Jahreshoch von 96,70 Euro wieder nach unten ab.

Solange die ehemalige Hürde bei 82,98 bis 85,35 Euro nun als Unterstützung hält, bleibt der übergeordnete Aufwärtstrend intakt. Dreht der Kurs in diesem Bereich wieder nach oben und nimmt das Jahreshoch erneut ins Visier, würde sich der jüngste Rücksetzer als klassischer, trendbestätigender Pullback entpuppen.