Der Rüstungselektronikkonzern Hensoldt verzeichnet eine enorme Auftragsflut. Während die Orderbücher im vergangenen Jahr auf historische 8,83 Milliarden Euro anschwollen, hinkt das tatsächliche Umsatzwachstum deutlich hinterher. Um diesen gewaltigen Rückstau aufzulösen, startet das Management nun eine weitreichende Kapazitätsoffensive, die auch an der Wall Street für neuen Optimismus sorgt.

Analysten-Upgrade treibt den Kurs

Die Experten von Jefferies werten die aktuelle Ausgangslage als klare Kaufgelegenheit. Sie stuften das Papier kürzlich von „Hold“ auf „Buy“ hoch und bestätigten ihr Kursziel von 90 Euro. Ein zentrales Argument der Analysten ist die deutlich attraktivere Bewertung: Der historische Aufschlag der Hensoldt-Papiere gegenüber anderen europäischen Rüstungswerten ist von 50 Prozent auf nur noch etwa 10 Prozent geschmolzen. Auf Sicht von zwölf Monaten verzeichnet der Titel aktuell ein solides Plus von rund 17 Prozent und notiert bei gut 79 Euro.

Die fundamentale Nachfrage bleibt dabei stark. Das verstärkte deutsche Rüstungsbeschaffungsprogramm sowie breitere NATO-Anstrengungen sorgen für stetigen Bedarf an Luftverteidigungssystemen. Erst kürzlich sicherte sich Hensoldt einen 100-Millionen-Euro-Auftrag von Diehl Defence für TRML-4D-Radare.

Zukäufe und Personalaufbau gegen den Flaschenhals

Der massive Auftragseingang – allein im Jahr 2025 ein Plus von 62 Prozent – offenbart das zentrale operative Problem des Konzerns. Die Produktionsbänder können mit der rasanten Nachfrage schlicht nicht Schritt halten. Um diese Lücke zügig zu schließen, übernimmt Hensoldt den niederländischen Optronik-Spezialisten Nedinsco. Da beide Unternehmen bereits seit zwei Jahrzehnten eng kooperieren, erwarten Marktbeobachter eine reibungslose Integration und schnellen Zugang zu neuen Fertigungskapazitäten.

Flankierend dazu treibt der Konzern eine Standorterweiterung im baden-württembergischen Aalen voran. Zudem plant Hensoldt, im laufenden Jahr rund 1.600 neue Stellen zu schaffen, was einem Personalzuwachs von fast 18 Prozent entspricht. Dass die Konzernführung von diesem Weg überzeugt ist, untermauerte CEO Oliver Dörre Ende Februar mit einem privaten Aktienkauf im Wert von gut 75.000 Euro. Auch der Vermögensverwalter BlackRock stockte seinen Anteil Anfang März wieder auf über fünf Prozent auf.

Messbare Fortschritte im Fokus

Die kurzfristigen Auswirkungen der Kapazitätsengpässe spiegeln sich noch in der Umsatzprognose für 2026 wider, die mit angepeilten 2,75 Milliarden Euro leicht unter den Markterwartungen liegt. Ob die ehrgeizige Expansion und die Nedinsco-Übernahme den Auftragsstau bereits abbauen können, wird sich am 6. Mai 2026 zeigen. An diesem Tag präsentiert Hensoldt die Zahlen für das erste Quartal und liefert den nächsten harten Datenpunkt zur operativen Umsetzung der neuen Strategie.