Mit einem Schlusskurs von 76,32 Euro verabschiedete sich die Hensoldt-Aktie am Freitag aus dem Handel. Das war ein Tagesplus von 4,12 %. Trotz der kräftigen Erholung herrscht am Markt derzeit alles andere als Einigkeit darüber, wie viel Potenzial in dem Rüstungselektronik-Spezialisten steckt. Zwischen den jüngsten Kurszielen führender Analysten liegen ganze 32 Euro, ein außergewöhnlich großer Abstand, der die Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Unternehmens eindrucksvoll verdeutlicht.
Hensoldt: Das ist sogar etwas umstritten!
Besonders deutlich zeigt sich diese Spaltung beim Vergleich zweier aktueller Studien. Jefferies hob das Kursziel auf 94 Euro an und bekräftigte seine Kaufempfehlung. Die Analysten rechnen mit einer anhaltend hohen Nachfrage nach Rüstungselektronik und sehen steigende Verteidigungsausgaben als wichtigen Wachstumstreiber.
Einen deutlich kritischeren Blick wirft dagegen mwb research auf die Aktie. Das Analysehaus senkte das Kursziel auf 62 Euro und stufte Hensoldt auf „Sell“ herab. Als Hauptargument nennen die Experten die aus ihrer Sicht anspruchsvolle Bewertung sowie das Risiko weiterer Rückschläge bei wichtigen Großprojekten.
Die gegensätzlichen Einschätzungen spiegeln zugleich den Wandel innerhalb der Verteidigungsindustrie wider. Immer größere Teile der Verteidigungsbudgets fließen in Drohnen, Präzisionswaffen und moderne elektronische Systeme. Gleichzeitig verändern milliardenschwere Beschaffungsprogramme die Wettbewerbslandschaft.
Die jüngste Vergabe des F126-Fregattenprojekts an TKMS oder neue Prioritäten bei der Ausrüstung europäischer Streitkräfte zeigen, wie stark einzelne Entscheidungen die Perspektiven der Unternehmen beeinflussen können. Entsprechend gerieten zuletzt auch andere Rüstungswerte wie Rheinmetall oder Renk zeitweise unter Druck.
Für Hensoldt ergeben sich daraus Chancen und Risiken zugleich. Das Unternehmen profitiert grundsätzlich vom langfristigen Ausbau moderner Verteidigungstechnologien, bewegt sich jedoch in einem Markt, dessen Rahmenbedingungen sich spürbar verändern: Die Nato möchte jetzt wohl mehr auf Drohnen und Drohnenabwehr, generell auch auf die Weltraumverteidigung setzen. Hensoldt produziert indes zumindest aktuell noch hinreichend positive Nachrichten: Die Auftragslage ist auf Rekordniveau.
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