Die Hensoldt-Aktie hat seit ihrem Tief Ende Juni eine bemerkenswerte Erholung hingelegt und in wenigen Wochen rund 5 % zugelegt. Trotz dieser Geschwindigkeit liegt das bisherige 52-Wochen-Hoch bei 117,70 Euro weiterhin außer Reichweite. Vom aktuellen Kursniveau trennt den Sensorik-Spezialisten noch ein Abstand von rund 19 %, womit bei anhaltendem Momentum perspektivisch ein erneuter Test des Rekordniveaus möglich wäre.
Entscheidend für die charttechnische Entwicklung ist nun vor allem die Unterstützungszone zwischen 83,54 und 91,54 Euro, die Hensoldt gerade jetzt wieder testet. Gestern Abend erreichte der Wert nach einer schwachen Woche nur 89,40 Euro, blieb also knapp unterhalb der Marke von 90 Euro. Solange sich die Aktie nicht unterhalb dieses Bereichs behauptet, bleibt das technische Bild grundsätzlich nicht zu schwach. RSI und MACD werden ebenfalls als positiv bewertet. Gleichzeitig zeigt der Anstieg der vergangenen Wochen, dass kurzfristige Gewinnmitnahmen jederzeit zu Rücksetzern führen können.
Hensoldt: Es werden einfach Gelder vom Markt genommen
Die jüngste Rally und auch die folgenden Gewinnmitnahmen kleinerer Art sind dabei nicht allein auf ein einzelnes neues Unternehmensereignis zurückzuführen. Hensoldt profitiert von der allgemein hohen Nachfrage nach europäischen Verteidigungswerten, positiven Analystenstimmen und technischen Kaufsignalen. Der Titel steht damit stellvertretend für die Neubewertung des gesamten europäischen Rüstungssektors, der durch steigende Verteidigungsausgaben und eine wachsende Nachfrage nach moderner Sicherheits- und Rüstungstechnik gestützt wird.
Fundamental verfügt Hensoldt allerdings ebenfalls über eine solide Grundlage. Im ersten Halbjahr erzielte das Unternehmen einen Auftragseingang von 2,8 Milliarden Euro, während der Auftragsbestand auf 10,4 Milliarden Euro anwuchs. Konkrete Bundeswehr-Projekte untermauern diese Entwicklung: Für die Ausrüstung sogenannter dismounted Joint Fire Support Teams wurden zunächst 50 von insgesamt rund 300 vorgesehenen Ausrüstungssätzen mit einem Volumen von rund 100 Millionen Euro freigegeben.
Hensoldt hält zudem an seiner Prognose für 2026 fest und erwartet weiterhin rund 2,8 Milliarden Euro Umsatz sowie etwa 500 Millionen Euro Ergebnis. Gerade die enorme Differenz zwischen dem aktuellen Jahresumsatzziel und dem Auftragsbestand zeigt jedoch auch die zentrale Herausforderung: Die vorhandene Nachfrage muss in den kommenden Jahren tatsächlich produziert, ausgeliefert und in Umsatz umgewandelt werden.
Eine weitere strategische Antwort auf diese Aufgabe liefert der geplante Ausbau der Entwicklungskapazitäten in der Region Stuttgart. Gemeinsam mit Bosch soll dort bis Ende 2027 ein Software- und Engineering-Zentrum entstehen. Der Zugriff auf Kompetenzen aus der Automobilindustrie könnte Hensoldt dabei helfen, seine technologische Entwicklung zu beschleunigen und die zunehmende Bedeutung softwarebasierter Verteidigungssysteme besser zu nutzen. Analysten gehen davon aus, dass Hensoldt sehr deutlich steigen kann.
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