Ein Großauftrag fällt weg, die Aktie zuckt kaum. Das Bundesverteidigungsministerium hat den Bau der sechs geplanten F126-Fregatten gestoppt. Trotzdem notiert Hensoldt aktuell bei 76,40 Euro, ein Minus von nur 0,13 Prozent.

Ministerium kippt F126-Programm

Das Verteidigungsministerium begründet den Stopp mit Kostensteigerungen und Verzögerungen. Statt der sechs F126-Fregatten will Berlin nun acht Schiffe der MEKO-A-200-Klasse beschaffen. Für Hensoldt bedeutet das den Wegfall eines konkreten Projektanteils: Das Unternehmen war als Zulieferer für das maritime Überwachungsradar TRS-4D vorgesehen.

Der Gesamtauftragswert lag bei gut 200 Millionen Euro. Mehr als ein Drittel davon hat Hensoldt bereits als Umsatz verbucht. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Konzern weiterhin mit Erlösen im niedrigen zweistelligen Millionenbereich aus dem Projekt.

CEO Oliver Dörre stellte klar: Das Unternehmen erwartet keine Auswirkungen auf die kurz- oder mittelfristige Prognose. Der Grund liegt in der Technologie selbst. Das TRS-4D-Radar basiert auf einer etablierten Produktfamilie und ist kein Exklusivprodukt für die F126. Es läuft bereits auf den Fregatten der F125-Klasse und den Korvetten K130.

Marktbeobachter werten die Reaktion als Zeichen operativer Stärke. Während Wettbewerber wie Rheinmetall die Entscheidung des Ministeriums stärker trifft, kann Hensoldt die Folgen offenbar über seine breite Sensor-Sparte abfedern.

Insider kauften am Tiefpunkt

Ein wichtiger Faktor für das Vertrauen am Markt: gezielte Käufe aus der Führungsebene. Am 26. Juni 2026 fiel die Aktie auf ein 52-Wochen-Tief von 63,12 Euro. Genau dann griffen CEO Dörre und Finanzvorständin Inka Tews zu. Dörre kaufte Ende Juni mehrfach zu Kursen zwischen 63,46 und 64,28 Euro.

Diese Insider-Käufe wirkten wie ein Zünder. Binnen einer Woche legte der Kurs um 17,6 Prozent zu. Den Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 115,10 Euro aus dem Oktober 2025 konnte die Aktie damit zumindest etwas verkürzen.

Chart zeigt noch Luft nach oben

Der RSI liegt aktuell bei 54,8 Punkten, also im neutralen Bereich. Vor wenigen Tagen war die Aktie noch deutlich überverkauft. Der 200-Tage-Durchschnitt von 80,78 Euro bleibt allerdings eine Hürde: Der Abstand beträgt derzeit minus 5,42 Prozent.

Auf 30-Tage-Sicht steht die Aktie noch mit 3,29 Prozent im Minus, auf Jahressicht mit 18,59 Prozent. Die jüngste Erholung hat also nur einen Teil der Verluste ausgeglichen.

Der Blick der Anleger richtet sich nun auf die Details zur MEKO-Beschaffung. Hensoldts Radartechnik ist bereits bei internationalen MEKO-Projekten im Einsatz, etwa bei der brasilianischen Tamandaré-Klasse. Das nährt die Hoffnung, dass der Konzern auch beim Ersatzprogramm der Bundeswehr zum Zug kommt.