Die starke Auftragslage bei Hensoldt wird aktuell noch immer nicht gewürdigt. Heute ist es bis dato um fast 1 % abwärts gegangen. Die Aktie kommt auf einen Kurs von nur ca. 86,70 Euro und ist wieder weiter davon entfernt, die 100-Euro-Marke nach oben zu durchbrechen.
Dabei war das jüngst vermittelte Zahlenmaterial durchaus gut.
Hensoldt sitzt auf vielen Aufträgen
Im ersten Halbjahr 2026 erreichte der Auftragseingang 2,812 Milliarden Euro und damit doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig wuchs der Auftragsbestand auf 10,356 Milliarden Euro. Besonders die Optronik entwickelt sich zum wichtigen Wachstumsmotor und steuerte 971 Millionen Euro zum Auftragseingang bei.
Ein weiterer Faktor ist die Einschätzung des Managements zur künftigen Cash-Generierung. Hensoldt erwartet inzwischen einen bereinigten Free Cashflow von rund 50 % des bereinigten EBITDA, nachdem zuvor etwa 40 % angesetzt worden waren. Das ist ein wichtiger Punkt, weil der Ausbau der Kapazitäten erhebliche Investitionen erfordert und die Qualität des Wachstums deshalb nicht allein am Auftragseingang gemessen werden dürfte.
Interessant ist auch vor allem, wie Hensoldt seine technologische Position innerhalb größerer Verteidigungsprojekte ausbaut. Die Integration von Twinvis in Rheinmetalls Skymaster während Timber Express 2026 ist dafür ein anschauliches Beispiel. Die passive Sensorik ermöglicht die Erfassung von Luftzielen, ohne selbst aktiv Signale auszusenden. Zusammen mit dem neuen BAAINBw-Serienauftrag für Feuerunterstützungsteams entsteht damit ein Bild, in dem Hensoldt zunehmend als Technologiebaustein umfassender militärischer Systeme auftritt.
Diese Entwicklung kommt nicht allein aus dem bestehenden Geschäft. Mit der Übernahme von Nedinsco hat sich Hensoldt im niederländischen Optronik-Markt verstärkt. Gleichzeitig plant der Konzern bis Ende 2026 rund 1.600 neue Mitarbeiter einzustellen. Der Neubau in Oberkochen, der rund 300 Millionen Euro kostet und bis zu 900 zusätzliche Arbeitsplätze ermöglicht, schafft dafür die notwendige Infrastruktur.
Die Aktie bleibt dabei hinter der operativen Entwicklung zurück. Analysten sehen indes noch immer sehr viel höhere Kursziele. Die Hensoldt ist also ggf. etwas unterschätzt.
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