Bessere Zahlen als erwartet, ein Auftragsbuch auf Rekordniveau – und trotzdem rauscht die Aktie nach unten. Bei Hensoldt zeigt sich am Freitag ein Muster, das Anleger aus der Rüstungsbranche mittlerweile kennen: Operative Stärke reicht nicht mehr, wenn die Bewertung bereits hoch im Kurs steht.

Der Rüstungselektronikkonzern verdoppelte seinen Auftragseingang im ersten Halbjahr auf 2,8 Milliarden Euro. Der Gesamtbestand an Bestellungen kletterte auf 10,4 Milliarden Euro – ein Rekordwert. Der Umsatz wuchs um 23,6 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA legte um 28,5 Prozent auf 137 Millionen Euro zu, die Marge verbesserte sich von 11,3 auf 11,8 Prozent.

Damit übertraf Hensoldt die Markterwartungen in mehreren Punkten. Firmenchef Oliver Dörre verwies auf die politischen Entscheidungen zu höheren Verteidigungsausgaben in der Nato, die sich nun konkret im Auftragsbuch niederschlagen. Vertragserweiterungen für Eurofighter-Mk1-Radare sowie Großaufträge zur Ausstattung der Panzer Puma und Schakal trugen dazu bei, ebenso Bestellungen aus anderen europäischen Staaten neben der Bundeswehr. Besonders das Optronik-Segment und das Sensorgeschäft entwickelten sich stark.

Bewertung bleibt der Knackpunkt

Trotz der soliden Bilanz gab die Aktie im frühen Handel zeitweise rund sechs Prozent nach und rutschte in Richtung der 21-Tage-Linie. Zuletzt notierte das Papier noch etwa drei Prozent im Minus bei 81,38 Euro. JPMorgan-Analyst David Perry lieferte eine Erklärung für die Zurückhaltung: Hensoldt sei das am höchsten bewertete Rüstungsunternehmen in seinem Anlageuniversum. Das Zahlenwerk selbst bezeichnete er als weitgehend überraschungsfrei – trotz eines aus seiner Sicht hervorragenden Produktportfolios sieht er bei anderen deutschen Werten mehr Aufwärtspotenzial.

Die jüngste Erholung von rund 64 Euro im Juni auf zuletzt über 86 Euro ist damit vorerst gestoppt. Vom Rekordhoch aus dem Herbst 2025 bei knapp 118 Euro bleibt die Aktie weiterhin rund ein Drittel entfernt.

Für das Gesamtjahr hält Hensoldt an seinen Zielen fest: Der Umsatz soll auf rund 2,75 Milliarden Euro steigen, die bereinigte operative Marge auf 18,5 bis 19,0 Prozent. Das setzt voraus, dass sich Auslieferungen und Abnahmen wie geplant im zweiten Halbjahr und besonders im vierten Quartal konzentrieren – dort muss der Konzern liefern, um die selbst gesteckte Messlatte zu erreichen.