Die Bewertung und Zweifel am Wachstumsschub durch künstliche Intelligenz belasten Hewlett Packard Enterprise. Nach der gestrigen Abstufung durch Barclays verzeichnet die Aktie heute eine Tagesbewegung von -7,7%. Entscheidend ist dabei die Unterscheidung: Analyst Tim Long begründete den Schritt mit der Bewertung, nicht mit einer Neubewertung der fundamentalen Lage des Unternehmens.

Barclays hinterfragt die Wachstumserwartungen

Barclays senkte das Anlageurteil gestern von „Overweight“ auf „Equal Weight“. Zugleich reduzierte das Haus sein Kursziel von 83 $ auf 77 $. Damit fällt die Empfehlung zurückhaltender aus, ohne dass Long seine Einschätzung mit einer grundlegend veränderten Geschäftslage begründete.

Im Zentrum steht vielmehr die Frage, wie nachhaltig die bisherigen Umsatzimpulse sind. Barclays zufolge könnte der durch höhere Hardwarepreise getriebene Umsatzschub nachlassen, wenn sich die Speicherpreise normalisieren. Gleichzeitig sei ein bedeutender, durch Unternehmens-KI ausgelöster Wachstumssprung bislang nicht erkennbar.

Diese Argumentation trennt Preisimpulse von zusätzlichem Geschäft. Ein Umsatzschub durch höhere Hardwarepreise beantwortet noch nicht die Frage, wie stark neue KI-Anwendungen die Nachfrage tragen. Genau hier setzt die Skepsis von Barclays an: Der erwartete Wachstumstreiber muss sich erst deutlicher zeigen.

Die vorsichtigere Haltung beschränkt sich nicht auf Hewlett Packard Enterprise. Barclays stufte gestern auch Dell Technologies und NetApp ab. Medienberichten zufolge waren Bewertungsbedenken und der bislang ausbleibende deutliche Wachstumsschub durch Unternehmens-KI die gemeinsamen Gründe. Die Belastung hat damit auch einen sektorweiten Hintergrund.

KI-Aktivitäten ersetzen keinen Wachstumsnachweis

Hewlett Packard Enterprise adressiert das Thema künstliche Intelligenz weiterhin mit eigenen Veröffentlichungen. Am Montag veröffentlichte das Unternehmen Beiträge zu offenen, heterogenen KI-Rechenzentren und zur Widerstandsfähigkeit von KI-Systemen. Das unterstreicht den thematischen Schwerpunkt, ist aber nicht gleichbedeutend mit dem von Barclays vermissten Wachstumssprung.

Auch ein konkreter Einsatz ist vereinbart: Am 5. Oktober wurde Hewlett Packard Enterprise für intelligente Konnektivität und autonome IT-Abläufe beim Ryder Cup 2027 ausgewählt. Der Auftrag betrifft einen konkreten Anwendungsfall. Die Bewertungsfrage von Barclays beantwortet er für sich genommen jedoch nicht.

Für Anleger liegt der Kern der Abstufung deshalb im Verhältnis zwischen Erwartungen und operativer Entwicklung. Long stellt die fundamentale Lage nicht grundsätzlich infrage. Seine vorsichtigere Empfehlung signalisiert vielmehr, dass die Bewertung aus seiner Sicht weniger Spielraum lässt, solange ein stärkerer KI-getriebener Wachstumsimpuls aussteht.