Bessere Zahlen als erwartet, angehobene Prognosen – und trotzdem gibt der Kurs nach. Bei Hewlett Packard Enterprise klafft nach den Quartalszahlen eine auffällige Lücke zwischen Fundamentaldaten und Marktreaktion.

Im dritten Geschäftsquartal 2026 erzielte HPE einen Umsatz von 12,21 Milliarden Dollar, ein Plus von rund 34 Prozent zum Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,11 Dollar – deutlich über den Analystenschätzungen von 92 Cent. Die Aktie reagierte dennoch mit spürbaren Abgaben im nachbörslichen Handel, zeitweise über 7 Prozent, mit anschließend volatilem Auf und Ab.

Auftragsboom trifft Lieferengpässe

Der Grund für die Skepsis liegt in einem strukturellen Detail: Die Bestellungen wuchsen im Quartal um 42 Prozent, während der Umsatz nur um 34 Prozent zulegte. Engpässe bei DDR5- und DDR4-Speicher, NAND-Flash und Wafer-Kapazitäten bremsen das Unternehmen dabei, seinen rekordhohen Auftragsbestand tatsächlich in Umsatz umzuwandeln.

Das Management räumte zudem ein, dass die operative Marge im vierten Quartal nachgeben könnte, weil sich der Produktmix stärker in Richtung margenschwächerer AI-Systeme verschiebt.

Die Segmentzahlen zeigen trotzdem, wo die Dynamik herkommt. Der Bereich Cloud & AI setzte 9,0 Milliarden Dollar um, ein Plus von 25 Prozent, bei einer operativen Marge von 17 Prozent – beides Rekordwerte. Das Networking-Geschäft wuchs auf Normalisierungsbasis um 10 Prozent, während der KI-Auftragsbestand auf 7,6 Milliarden Dollar kletterte. Nach Quartalsende kam ein Inferencing-Deal mit einem Hyperscaler-Kunden über 3,5 Milliarden Dollar hinzu.

Ausblick angehoben, Partnerschaft mit Oracle ausgebaut

HPE hob die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr auf 3,75 bis 3,85 Dollar je Aktie an, nach zuvor 3,35 bis 3,45 Dollar. Für 2027 stellt der Konzern nun ein Umsatzwachstum von 13 bis 17 Prozent in Aussicht, deutlich mehr als die vorherige Spanne von 8 bis 12 Prozent.

Parallel dazu weitete HPE die Zusammenarbeit mit Oracle aus: Juniper-Netzwerktechnik soll künftig in Oracles globalen KI-Rechenzentren zum Einsatz kommen, im Rahmen einer als gigawattgroß bezeichneten Infrastruktur-Vereinbarung. Oracle erhielt dabei zudem eine Option zum Kauf von HPE-Stammaktien.

Finanziell hat sich das Unternehmen zugleich entschuldet: Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu bereinigtem EBITDA sank auf 1,8 – und liegt damit bereits ein Jahr früher als geplant unter der eigenen Zielmarke von 2,0. Der freie Cashflow lag mit 958 Millionen Dollar im Quartal deutlich über dem Vorjahreswert.

Steigende US-Anleiherenditen belasteten Technologiewerte am Berichtstag zusätzlich – ein Faktor, der die Kursreaktion auf die Zahlen verstärkt haben dürfte. Für das vierte Quartal peilt HPE einen Umsatz zwischen 13,9 und 14,8 Milliarden Dollar an, bei einem Gewinn je Aktie von 1,20 bis 1,30 Dollar. Ob sich die Lieferkettenengpässe bis dahin lösen, dürfte darüber entscheiden, wie schnell der Auftragsberg tatsächlich zu Umsatz wird.