Ein Unternehmen im Umbau: Hexagon Purus hat die Belegschaft binnen zwei Jahren mehr als halbiert, gleichzeitig wächst das Wasserstoff-Geschäft rasant. Die Frage, ob das reicht, um die dünne Kapitaldecke zu retten, bleibt nach den Quartalszahlen vom Donnerstag offen.

Der norwegische Hersteller von Wasserstoff- und Batteriesystemen meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 146 Millionen Norwegische Kronen — ein Rückgang von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bereinigt um das im ersten Quartal verkaufte US-Luftfahrtgeschäft betrug das Minus nur 6 Prozent. Der operative Verlust vor Abschreibungen (EBITDA) verringerte sich auf 102 Millionen Kronen, nach 161 Millionen Kronen im Vorjahresquartal.

Wasserstoff-Infrastruktur zieht Umsatzmix nach oben

Der eigentliche Umbau zeigt sich in der Zusammensetzung des Geschäfts. Der Anteil der Wasserstoff-Infrastruktur am Gesamtumsatz stieg von 46 Prozent im Vorjahresquartal auf 55 Prozent. Absolut legte dieser Bereich um 406 Prozent zu, getrieben von höheren Volumina bei Wasserstoffverteilung, mobiler Betankung und stationärer Speicherung.

Im Gegenzug brach das Geschäft mit Batteriemobilität ein — von 34 auf gut ein Fünftel des Umsatzes. Auch die Transitbus-Sparte litt spürbar unter Kapazitätsengpässen bei Kundenanlagen in Deutschland, während die Industriegas-Nachfrage schwach blieb. Immerhin: Das Segment Hydrogen Mobility & Infrastructure aus Kassel und Weeze verbesserte sein EBITDA auf minus 52 Millionen Kronen, nach minus 76 Millionen Kronen im Vorjahr.

Kahlschlag und dünne Kapitaldecke

Der Preis für die schwarzen Zahlen bei den Kosten ist hoch. Seit 2024 hat Hexagon Purus die Konzernbelegschaft von rund 850 auf etwa 400 Mitarbeiter reduziert — ein Einschnitt von über 50 Prozent. Das Management sieht die neue Kostenbasis als Fundament für Profitabilität und Cash-Break-even bei deutlich niedrigeren Umsatzvolumina.

Die Kehrseite zeigt die Bilanz. Die Eigenkapitalquote fiel auf 1 Prozent, nach 9 Prozent im ersten Quartal und noch 33 Prozent vor einem Jahr. Der Kassenbestand sank auf 308 Millionen Kronen, während die Schuldkomponente der ausstehenden Wandelanleihen bei knapp 1,9 Milliarden Kronen liegt. CFO Salman Alam bestätigte, dass an einer Refinanzierung der Anleihen gearbeitet wird, ließ Details zu einer möglichen Verwässerung für Aktionäre aber offen.

Auftragsbestand wächst, China als Hoffnungsträger

Der Auftragsbestand kletterte um 13 Prozent auf 523 Millionen Kronen, davon sollen 83 Prozent noch 2026 abgerechnet werden. Wasserstoff-Infrastruktur macht mit 41 Prozent den größten Anteil aus, gefolgt von Wasserstoffmobilität mit 33 Prozent. CEO Morten Holum sprach von der „finalen Phase“ der Typ-4-Zylinder-Zertifizierung für den chinesischen Markt und rechnet mit einer Zulassung bis Jahresende — Umsatzbeiträge daraus würden aber erst 2027 spürbar.

Für die zweite Jahreshälfte will das Unternehmen den bestehenden Auftragsbestand abarbeiten, gleichzeitig Backlog für 2027 aufbauen und die Restrukturierung der Bilanz vorantreiben. Die Liquidität reicht nach eigenen Angaben für mindestens zwölf weitere Monate — ob die geplante Refinanzierung der Wandelanleihen gelingt, ohne bestehende Aktionäre stark zu verwässern, bleibt die entscheidende offene Baustelle.