Hims & Hers Health steht unter erheblichem rechtlichem und operativem Druck. Kurz vor der Veröffentlichung der neuen Geschäftszahlen sieht sich der Anbieter von Gesundheitsprodukten mit einer Klage der US-Handelsbehörde FTC sowie mehrerer Bundesstaaten konfrontiert. Im Kern geht es um den Vorwurf, sensible Patientendaten unzulässig an große Technologiekonzerne weitergegeben zu haben. Diese Nachricht belastet das Vertrauen der Anleger in einer Phase, in der das Unternehmen ohnehin mit steigenden Kosten für die Kundenakquise kämpft.

Schwere Vorwürfe wegen Datenschutz und Abrechnungen

Die Federal Trade Commission (FTC) wirft dem Unternehmen vor, die Gesundheitsdaten von etwa 2,6 Millionen Nutzern ohne deren ausdrückliche Zustimmung an Meta und Snap übermittelt zu haben. Laut der Klageschrift vom 29. Juli wurden Informationen über intime Gesundheitsprobleme zu Werbezwecken geteilt. Dies steht im direkten Widerspruch zu den Werbeversprechen von Hims & Hers, die einen „100 % privaten und sicheren“ Online-Service zusicherten.

Zusätzlich zur FTC-Klage hat sich gestern der US-Bundesstaat Utah der juristischen Auseinandersetzung angeschlossen. Generalstaatsanwalt Derek Brown kritisiert dabei insbesondere irreführende Abrechnungspraktiken und künstlich erschwerte Kündigungsprozesse für Abonnements. Hims & Hers wies die Vorwürfe bereits zurück und kündigte an, sich gerichtlich zur Wehr zu setzen. Das Unternehmen hatte bereits im Mai eine Rückstellung in Höhe von 15 Millionen US-Dollar für potenzielle Vergleiche gebildet.

Operative Herausforderungen und Churn-Raten

Parallel zur juristischen Front gibt es Berichte über interne Umstrukturierungen beim Kundenakquise-Modell. Medienberichten zufolge überarbeitet CEO Andrew Dudum derzeit die Strategie, nachdem die Kosten für Werbung auf Plattformen wie Meta im Jahresvergleich um bis zu 24 Prozent gestiegen sind. Gleichzeitig deuteten interne Daten auf eine problematische Kundenbindung hin: Die Abwanderungsrate (Churn) bei bestimmten Nutzergruppen aus dem zweiten Halbjahr 2025 soll demnach um 22 Prozent über den ursprünglichen Modellen liegen.

Trotz dieser Schwierigkeiten versucht das Unternehmen, durch Zukäufe zu wachsen. Die Übernahme von Eucalyptus wurde am 2. Juni abgeschlossen, um die internationale Präsenz zu stärken. Dennoch mahnen Beobachter zur Vorsicht. Die Analysten von Motley Fool raten derzeit dazu, die Aktie aufgrund der hohen Bewertung und der laufenden Untersuchungen zu meiden. Die Anwaltskanzlei Kessler Topaz Meltzer & Check untersucht zudem mögliche Verstöße gegen das Wertpapiergesetz, was das Risiko für Aktionäre weiter erhöht.

Ausblick auf den anstehenden Ergebnisbericht

Die Marktteilnehmer blicken nun gespannt auf den kommenden Montag, den 10. August. Nach Börsenschluss wird Hims & Hers die Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 vorlegen. Analysten erwarten im Konsens einen Umsatz von 698,9 Millionen US-Dollar. Beim Ergebnis je Aktie wird mit einem Verlust von knapp 0,05 US-Dollar gerechnet, was eine deutliche Verbesserung gegenüber dem hohen Verlust im Vorquartal darstellen würde.

An der Börse spiegelt sich die Unsicherheit deutlich wider. Der aktuelle Kurs notiert bei 27,10 € und damit massiv unter früheren Niveaus. Mit einem Abstand von -50,53 % zum 52-Wochen-Hoch, das am 4. August 2025 bei 54,78 € markiert wurde, hat das Papier innerhalb eines Jahres die Hälfte seines Wertes verloren. Ob die Quartalszahlen eine Wende einleiten können, hängt maßgeblich davon ab, ob das Management die Bedenken hinsichtlich der Marge und der rechtlichen Risiken glaubhaft entkräften kann.