Die Telemedizin-Plattform Hims & Hers Health hat gestern ihre Finanzergebnisse für das zweite Quartal 2026 veröffentlicht und blickt optimistischer auf das Gesamtjahr.

Trotz eines deutlichen Umsatzsprungs und einer angehobenen Prognose reagiert der Kapitalmarkt heute mit deutlichen Abschlägen auf die Bilanzvorlage. Im Fokus stehen dabei ein höher als erwarteter Verlust sowie anhaltende regulatorische Unsicherheiten durch ein Verfahren der US-Handelsbehörde.

Umsatzwachstum und angehobene Jahresziele

Im abgelaufenen zweiten Quartal steigerte das Unternehmen seinen Umsatz um 38 Prozent auf rund 753 Millionen US-Dollar. Wesentlicher Treiber dieser Entwicklung war die Gewinnung neuer Kunden.

Die Zahl der Abonnenten kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19 Prozent auf nahezu 2,9 Millionen. Nach Berichten von Reuters und dem Wall Street Journal reagierte die Konzernleitung auf diese Dynamik mit einer Anhebung der Ziele für das laufende Geschäftsjahr.

Hims & Hers rechnet für das Gesamtjahr 2026 nun mit einem Umsatz zwischen 3,1 Milliarden und 3,3 Milliarden US-Dollar. Zuvor lagen die Erwartungen niedriger.

Auch beim bereinigten EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) konkretisierte das Management die Spanne auf 275 Millionen bis 325 Millionen US-Dollar. Für das laufende dritte Quartal peilt das Unternehmen Erlöse in einer Größenordnung von 880 Millionen bis 900 Millionen US-Dollar an.

Margendruck und regulatorische Herausforderungen

Die Wachstumszahlen konnten den heutigen Kursrückgang jedoch nicht verhindern. Das Papier verliert heute 7,27 Prozent und notiert bei 25,52 Euro. Damit schmilzt der Puffer zum langfristigen Trend dahin: Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt nur noch 0,58 Prozent.

Medienberichten zufolge belastete vor allem ein größer als erwarteter Quartalsverlust die Stimmung der Anleger. Das Unternehmen begründete die Belastungen mit massiven Investitionen in die eigene KI-Plattform sowie in die internationale Expansion.

Zusätzlich wiegt eine rechtliche Auseinandersetzung mit der US-Bundeshandelskommission (FTC) schwer. Die Behörde hatte das Unternehmen am 29. Juli verklagt. Der Vorwurf lautet, Hims & Hers habe Gesundheitsdaten von Nutzern unzulässig mit Online-Werbeplattformen geteilt.

Zudem werden dem Unternehmen irreführende Abrechnungs- und Kündigungspraktiken vorgeworfen. Diese Nachricht hatte bereits Ende Juli zu einem deutlichen Kursrutsch geführt und prägt weiterhin die Risikowahrnehmung der Investoren.

Strategische Partnerschaften und Produktinnovationen

Abseits der Quartalszahlen treibt das Unternehmen seine Produktstrategie voran. Am vergangenen Donnerstag wurde eine neue Version der „Hers“-App vorgestellt, die eine KI-gestützte Betreuung ermöglichen soll. Ergänzend dazu brachte das Unternehmen eine intelligente Waage auf den Markt. Diese Neuerungen sind Teil der Strategie, die Kundenbindung durch technologische Integration zu erhöhen.

Ein wichtiger Meilenstein in der Medikamentenversorgung gelang am 28. Juli. Das Unternehmen erzielte eine Einigung mit dem Pharmakonzern Novo Nordisk über den Vertrieb der Präparate Wegovy und Ozempic über die eigene Plattform. Diese Vereinbarung beendete eine vorangegangene Auseinandersetzung zwischen beiden Parteien.

Zudem teilte das Unternehmen bereits am 24. Juli mit, dass es eine stabile Versorgung mit Östrogen-Pflastern für die Hormontherapie sichergestellt hat, um der hohen Nachfrage in diesem Segment gerecht zu werden.