Hochtief bekommt frischen Rückenwind aus dem Analystenlager – wenn auch mit gedämpfter Erwartung. Barclays-Analystin Katherine Hearne senkte am 4. August ihr Kursziel für die Aktie von 493 auf 487 Euro und beließ die Einstufung bei „Equal Weight“.
Bemerkenswert ist dabei weniger die leichte Zielkorrektur als die Begründung: Hearne hob die Outperformance der US-Tochter Turner im Geschäft mit KI-Rechenzentren ausdrücklich hervor. Die Anpassung erfolgte im Zuge der Auswertung der Zahlen zum zweiten Quartal.
Turner als Wachstumsmotor im Fokus
Dass ausgerechnet das US-Geschäft von Hochtief in den Vordergrund rückt, passt zum Bild, das der Baukonzern zuletzt gezeichnet hat. Turner gilt als zentraler Hebel für das Geschäft mit Rechenzentren, das durch den Ausbau von KI-Infrastruktur in den USA kräftig zulegt.
Barclays bewertet diese Entwicklung positiv, bleibt mit „Equal Weight“ aber bei einer neutralen Gesamteinschätzung – ein Hinweis darauf, dass die Chancen im Rechenzentrumsgeschäft nach Einschätzung der Analystin bereits weitgehend im Kurs eingepreist sind.
Auftragsschub auch in Australien
Parallel zum US-Geschäft meldete die australische Hochtief-Tochter UGL Ende Juli einen Folgeauftrag für einen Batteriepark in Südaustralien. Die Anlage wird um 227 Megawatt auf insgesamt 454 Megawatt erweitert, der Baubeginn ist für August 2026 vorgesehen, die Inbetriebnahme soll 2028 erfolgen.
Der Auftrag unterstreicht die Breite des Konzerns über klassisches Baugeschäft hinaus – von Energieinfrastruktur bis zu Rechenzentren reicht die Palette der Projekte, die aktuell in die Bücher wandern.
Führungswechsel in der Infrastruktursparte
Auch personell hat sich bei Hochtief zuletzt etwas bewegt: Anfang Juni übernahm Peter Hingott die Position des CEO von Hochtief Infrastructure. Er folgt auf José Ignacio Legorburo, der zum Executive Vice President Operations for Europe befördert wurde. Der Wechsel fällt in eine Phase, in der der Konzern seine internationalen Sparten neu ordnet, während das operative Geschäft in den USA und Australien für Schwung sorgt.
Kurs unter dem gleitenden Durchschnitt
An der Börse zeigt sich die Aktie zuletzt uneinheitlich. Am heutigen Freitag legt das Papier um 1,6 Prozent auf 433,40 Euro zu, nachdem es am Donnerstag noch bei 426,80 Euro geschlossen hatte.
Über die vergangenen 30 Tage hinweg hat die Aktie jedoch 5,6 Prozent verloren und notiert damit rund 6,9 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 465,39 Euro. Trotz der jüngsten Schwäche bleibt der Wert mit einem Plus von 29 Prozent seit Jahresbeginn und 94 Prozent auf Zwölfmonatssicht einer der stärkeren Werte im DAX.
Die Kombination aus solidem operativem Fortschritt bei Turner und UGL einerseits und einer nur verhaltenen Analystenreaktion andererseits zeichnet ein Bild, in dem der Markt die Wachstumsstory zunehmend differenziert bewertet. Der nächste konkrete Prüfstein für Anleger folgt mit dem Interim Report zum dritten Quartal, den Hochtief für den 5. November angekündigt hat.
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