Ein Dienstag der Extreme im MDAX: Während Hochtief mit einem Tagesplus von über 15 Prozent die Anleger elektrisiert und Aixtron sein höchstes Niveau seit einem Vierteljahrhundert markiert, stürzt Hellofresh am Vorabend seiner Quartalszahlen weiter ab. Der Graben zwischen Gewinnern und Verlierern war selten so tief wie an diesem 5. Mai 2026.
Die Trennlinie verläuft entlang eines klaren Musters: Infrastruktur, KI-Lieferketten und industrielle Transformation werden belohnt. Konsumwerte mit strukturellen Problemen und Unternehmen ohne klare strategische Perspektive hingegen finden kaum Käufer.
| Gewinner | Kurs | Veränderung |
|---|---|---|
| Hochtief | 524,00 € | +15,37 % |
| Aixtron | 51,22 € | +7,22 % |
| Thyssenkrupp | 10,49 € | +6,81 % |
| Verlierer | Kurs | Veränderung |
|---|---|---|
| Hellofresh | 4,43 € | −4,90 % |
| Carl Zeiss Meditec | 26,64 € | −2,35 % |
| Freenet | 26,58 € | −1,99 % |
Hochtief: Rekordjagd dank Rechenzentrum-Boom
Hochtief ist der unangefochtene Star des Tages. Mit einem Kurssprung von über 15 Prozent auf 524,00 Euro markiert die Aktie ein neues Allzeithoch — und hat sich damit seit Jahresanfang um knapp 55 Prozent verteuert. Noch beeindruckender die Zwölfmonats-Bilanz: Wer vor einem Jahr eingestiegen ist, blickt auf ein Plus von über 200 Prozent.
Der Rückenwind kommt von mehreren Seiten. Jefferies hat das Kursziel vor den anstehenden Q1-Zahlen von 387 auf 480 Euro angehoben, die Einstufung allerdings bei „Hold“ belassen. Im Mittelpunkt steht der globale Hunger nach Rechenzentrumskapazität. Der KI-Infrastrukturtrend treibt die Investorenfantasie — und Hochtief profitiert mit seinen internationalen Töchtern in den USA, Asien und Australien direkt davon.
Ein Belastungstest steht allerdings bevor. Am 11. Mai legt Hochtief die Q1-Geschäftszahlen vor. Die Messlatte liegt hoch: Der Kurs hat die bisherigen Analysten-Ziele bereits deutlich übertroffen. Die 500-Euro-Marke wirkt wie ein psychologischer Trigger — viele Investoren setzen derzeit offenbar eher auf das operative Umfeld als auf eine schnelle Beruhigung des Tempos.
Aixtron: Prognoseanhebung befeuert Mehrjahreshoch
Aixtron setzt seine bemerkenswerte Rally mit einem Plus von 7,22 Prozent auf 51,22 Euro fort. Seit Jahresanfang hat sich der Kurs mehr als verdreifacht. Die Aktie notiert auf dem höchsten Stand seit 2001.
Der Treiber ist struktureller Natur. KI-Rechenzentren rüsten massiv von Kupfer- auf Glasfaserverbindungen um — und benötigen dafür spezielle Laserkomponenten, für deren Herstellung Aixtron die passenden Maschinen liefert. Das Management hat die Jahresziele für 2026 deutlich angehoben:
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- Umsatzerwartung jetzt bei 530 bis 590 Millionen Euro
- Operative Gewinnmarge von bis zu 20 Prozent angepeilt
- Auftragseingang im Q1 bei 171,4 Millionen Euro, ein Plus von 30 Prozent zum Vorjahr
- Optoelektronik machte fast 70 Prozent des Auftragseingangs aus
Unter den Analysten herrscht Uneinigkeit. Barclays stufte die Aktie nach der starken Kursentwicklung auf „Equal Weight“ ab. Die Citigroup sieht dagegen Luft bis 55 Euro und hält an „Buy“ fest. Jefferies erhöhte das Kursziel Anfang Mai drastisch von 35 auf 55,30 Euro. Bei einer annualisierten Volatilität von über 88 Prozent sollten Anleger allerdings mit heftigen Schwankungen rechnen.
Thyssenkrupp: Kone-Milliarden und Stahl-Wende auf eigene Faust
Thyssenkrupp springt um 6,81 Prozent auf 10,49 Euro und profitiert von gleich zwei Großereignissen. Kone will den ehemaligen Thyssenkrupp-Aufzugsbereich in einem Megadeal für gut 29 Milliarden Euro übernehmen. Thyssenkrupp hält noch 16 Prozent der Anteile — Analysten taxieren den Wert dieser Beteiligung auf rund 3,27 Milliarden Euro. Ein potenzieller Milliardenzufluss.
Parallel sorgt die Stahlsparte für Bewegung. Die seit September 2025 laufenden Verkaufsverhandlungen mit dem indischen Konzern Jindal sind abgebrochen. Thyssenkrupp will die Neuausrichtung des Segments nun aus eigener Kraft stemmen. Der Kurs reagierte positiv — ein Zeichen, dass Teile des Marktes die Eigenständigkeit begrüßen.
Kritischere Stimmen sehen das anders. Ein vollständiger Verkauf des kapitalintensiven Stahlgeschäfts hätte Thyssenkrupp erheblich entlasten können. Dirk Schlamp von der DZ Bank relativiert: Schwierigkeiten bei Pensionslasten, Investitionsbedarf und Energiekosten hätten sich bereits im Vorfeld angedeutet. Der Abbruch sei eher Bestätigung eines bekannten Risikos als neuer negativer Impuls. Mit einem Abstand von gut 20 Prozent zum 52-Wochen-Hoch hat die Aktie trotz des heutigen Kursfeuerwerks noch Aufholpotenzial — aber auch einiges an Unsicherheit vor der Brust.
Hellofresh: Nervosität vor den Quartalszahlen
Auf der Verliererseite drückt Hellofresh mit einem Minus von 4,90 Prozent auf 4,43 Euro am stärksten. Der unmittelbare Anlass: Morgen, am 6. Mai, legt der Kochboxen-Versender die Geschäftsergebnisse zum jüngsten Quartal vor. Die Erwartungen sind bereits am Boden — Analysten rechnen mit einem Umsatzrückgang von rund 13 Prozent und einem Verlust je Aktie von etwa −0,67 Euro.
Das strukturelle Bild bleibt düster. Die Geschäfte in Spanien und Italien werden eingestellt, operative Engpässe in den USA bremsen das Wachstum bei Fertiggerichten. Auch für das Gesamtjahr 2026 rechnet das Management mit Umsatzrückgängen und einem sinkenden operativen Gewinn.
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Die Dimension des Absturzes ist dramatisch: Vom Allzeithoch bei 96 Euro im November 2021 hat Hellofresh über 95 Prozent seines Börsenwerts vernichtet. Im Fokus steht nun, ob geplante Kosteneinsparungen von 140 Millionen Euro erste Wirkung zeigen und ob sich die rückläufigen Bestellzahlen stabilisieren. Das morgige Ergebnis wird Aufschluss geben.
Carl Zeiss Meditec: Führungsvakuum trifft China-Krise
Carl Zeiss Meditec gibt 2,35 Prozent auf 26,64 Euro nach. Seit Jahresanfang summiert sich das Minus auf knapp ein Drittel — die Aktie hat sich mehr als halbiert innerhalb von zwölf Monaten. Das Unternehmen kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig.
An der Spitze herrscht Vakuum. Andreas Pecher führt seit Januar 2026 kommissarisch als CEO, während die Suche nach einem dauerhaften Nachfolger läuft. Strategische Aussagen tragen damit einen Vorbehalt. Im operativen Geschäft drücken negative Währungseffekte, ein ungünstiger Produktmix und schwächere Verkäufe bei neurochirurgischen Mikroskopen. Die EBITA-Marge brach zuletzt von 7,2 auf lediglich 1,7 Prozent ein.
Besonders das China-Geschäft bereitet Sorgen. Das staatliche Beschaffungssystem zwingt Hersteller von Intraokularlinsen in aggressive Preisausschreibungen, bei denen einheimische Anbieter zunehmend dominieren. Carl Zeiss Meditec zog seine bifokale Linse im Dezember aus einem laufenden Tender zurück. Der Halbjahresbericht am 12. Mai wird zum richtungsweisenden Termin: Investoren erhoffen sich Klarheit zur Restrukturierung, zum Jahresausblick und zur CEO-Nachfolge.
Freenet: Dividende lockt, aber der Trend zeigt nach unten
Freenet verliert 1,99 Prozent auf 26,58 Euro und bewegt sich damit gefährlich nah am 52-Wochen-Tief von 26,06 Euro. Die Aktie befindet sich seit Ende Februar im langfristigen Abwärtstrend. Die 20-Tage-Linie wurde gestern nach unten gekreuzt — ein technisch negatives Signal.
Operativ liefert der Telekommunikationsanbieter wenig Grund zur Euphorie. Goldman Sachs bleibt mit „Sell“ und einem Kursziel von 26 Euro zurückhaltend und sieht klare Verfehlungen der Markterwartungen. Das Abonnentenwachstum bremste im ersten Quartal auf 0,8 Prozent ab. Die UBS verwies auf unter den Erwartungen liegende Ergebnisse und einen schwachen Ausblick im Mobilfunkgeschäft.
Ein Lichtblick bleibt die Dividendenpolitik: 2,07 Euro je Aktie werden am 18. Mai ausgezahlt, der Ex-Tag ist der 14. Mai. Die Hauptversammlung findet am 13. Mai statt. Kurzfristig könnte der nahende Dividendenabschlag allerdings zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen — ein klassisches Muster bei Dividendentiteln in den Tagen vor dem Ex-Datum. Bei einer vergleichsweise niedrigen Volatilität von gut 15 Prozent bleibt Freenet zwar der ruhigste Wert in dieser Übersicht, aber eben auch einer ohne erkennbaren Katalysator nach oben.
Entscheidungswoche für den MDAX
Die nächsten Tage werden dicht getaktet. Hellofreshs Quartalszahlen morgen, Hochtiefs Q1-Bericht am 11. Mai, der Halbjahresbericht von Carl Zeiss Meditec am 12. Mai und die Freenet-Hauptversammlung am 13. Mai — innerhalb einer Woche stehen gleich vier potenziell kursbewegende Termine an. Die heutige Spaltung des Index zwischen Industriegewinnern und Konsumverlierern dürfte sich dabei weiter verschärfen oder aber durch überraschende Zahlen neu sortiert werden. Die Volatilität wird erhöht bleiben.
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