Zwei Analysehäuser, zwei Mal „Buy“, ein Kursziel von 300 Dollar — und trotzdem verliert die HubSpot-Aktie an diesem Freitag fast drei Prozent. Der Widerspruch zeigt, worum es bei HubSpot gerade geht: Die Bewertung gilt als günstig, das Wachstum bleibt aber die offene Baustelle.
Needham und Canaccord Genuity bekräftigten ihre Kaufempfehlungen unabhängig voneinander mit identischem Kursziel von 300 Dollar. Beide Häuser waren bei der HubSpot-Kundenkonferenz UNBOUND 2026 in Boston vor Ort und zeigten sich von den Produktankündigungen beeindruckt. Die Aktie notierte zuletzt bei 229,58 Dollar, nach InvestingPro-Berechnungen entspräche der faire Wert rund 307 Dollar.
Ganz einhellig ist das Bild trotzdem nicht. BMO Capital hatte HubSpot zuvor auf „Market Perform“ abgestuft und das Kursziel auf 215 Dollar gesenkt, mit Verweis auf KI- und Wettbewerbsrisiken sowie ein schwächeres Wachstum bei neuen Jahresabonnements.
BofA Securities bleibt bei „Underperform“ mit einem Kursziel von 200 Dollar. Stifel positioniert sich dazwischen mit „Hold“ und einem auf 225 Dollar angehobenen Ziel. Die Kursziele der genannten Häuser reichen damit von 200 bis 300 Dollar — ein Spread, der die Unsicherheit über das Tempo der Erholung widerspiegelt.
Margen statt Wachstum als Kurzfrist-Hebel
Needham brachte es auf den Punkt: Kurzfristig sieht die Firma mehr Potenzial bei der Margenentwicklung als beim Umsatz- oder ARR-Wachstum. HubSpot weist bereits eine Bruttomarge von 83 Prozent aus — eine solide Basis für weitere Effizienzgewinne, während die Nachfrage nach Einschätzung von Needham noch nicht spürbar angezogen hat.
Canaccord Genuity untermauert die Kaufempfehlung mit Bewertungskennzahlen: Die Aktie handelt mit dem 2,5-Fachen des Umsatzes und dem 11-Fachen des freien Cashflows auf Basis der Schätzungen für 2027. Nach Einschätzung der Analysten ist das günstig für ein etabliertes Unternehmen mit breiter Kundenbasis, wachsendem KI-Geschäft und operativem Hebel für die kommenden Jahre. Das zweite Quartal hatte ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 17 Prozent gebracht, leicht unter den 18 Prozent des Vorquartals — HubSpot begründete die Verlangsamung mit Preisanpassungen und vorsichtigerer Budgetplanung der Kunden.
Die zentrale Frage bleibt offen
Needham formulierte es als Kernfrage für Investoren: Liegt die Wachstumsverlangsamung an makroökonomischer Unsicherheit oder daran, dass Kunden erst noch ihren Weg mit den neuen KI-Tools finden müssen. Eine Antwort darauf lieferte auch die UNBOUND-Konferenz nicht abschließend, obwohl HubSpot dort mit dem Smart CRM und einer erweiterten Partnerschaft mit ChatGPT neue Akzente setzte.
Für die Aktie bedeutet das vorerst: Die Bewertung bietet nach Einschätzung mehrerer Analysten Spielraum, falls sich das Umsatzwachstum später als erwartet beschleunigt. Ob dieser Spielraum ausreicht, um die skeptischeren Stimmen von BMO und BofA zu widerlegen, dürfte sich an den kommenden Quartalszahlen zeigen.
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