Nach dem heftigsten Kurseinbruch seit Jahren sucht die IBM-Aktie neuen Halt. Am Freitag schloss das Papier bei 194,74 Euro, ein Plus von 1,31 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Minus von 22,52 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Tief bei 175,14 Euro, erreicht am 23. Juli, hat sich die Aktie um 11,19 Prozent erholt – von den alten Höhen bleibt sie damit weit entfernt.
Verfehlte Erwartungen lösen Ausverkauf aus
Auslöser der Turbulenzen waren die jüngsten Quartalszahlen. IBM verfehlte mit einem Gewinn je Aktie von 2,93 Dollar die Erwartung von 3,01 Dollar, der Umsatz blieb mit 17,2 Milliarden Dollar unter der Konsensschätzung von 17,86 Milliarden Dollar. Im US-Handel brach die Aktie daraufhin um 25,2 Prozent ein, umgerechnet lösten sich rund 67 Milliarden Dollar Marktwert auf. IBM-Chef Krishna räumte ein, der Konzern habe sich nicht schnell genug angepasst, große Aufträge hätten sich verzögert. Immerhin seien nach seinen Angaben rund 40 Prozent der verschobenen Abschlüsse binnen drei bis vier Wochen doch noch unter Dach und Fach gebracht worden. Der Konzern senkte zudem seine Umsatzwachstums-Prognose für 2026 auf 4 bis 5 Prozent, zuvor hatte das Management noch mehr als 5 Prozent in Aussicht gestellt. Finanzchef Kavanaugh verwies zur Erklärung auf Kosteneinsparungen von mehr als 5,5 Milliarden Dollar sowie einen Lagerbestandsaufbau von 600 Millionen Dollar und stellte klar, dass eine Aufspaltung des Konzerns nicht geplant sei.
Die Marktbewegung hat inzwischen auch juristische Konsequenzen: Die Kanzlei BFA Law untersucht mögliche Falschdarstellungen im Zusammenhang mit dem Tempo neuer Geschäftsabschlüsse und dem Ausblick für das Mainframe-Geschäft IBM Z und ruft Investoren zur Kontaktaufnahme auf.
Mainframe-Geschäft bricht ein, Software wächst zweistellig
Hinter der Gesamtzahl verbirgt sich ein gespaltenes Bild. Während die Softwaresparte insgesamt um 5 Prozent zulegte – nach noch 11 Prozent im Vorquartal –, brach das Mainframe-Geschäft IBM Z um 42 Prozent ein. Die Infrastruktursparte insgesamt gab um 7 Prozent nach, das Consulting-Geschäft stagnierte. Auf der anderen Seite wuchsen Red Hat um 11 Prozent und der Datenbereich um 18 Prozent, während die Transaktionsverarbeitung um 9 Prozent schrumpfte. Der freie Cashflow lag im ersten Halbjahr bei 4,8 Milliarden Dollar, IBM erwartet für das Gesamtjahr einen Anstieg von rund einer Milliarde Dollar gegenüber dem Vorjahr.
Analysten uneins über den weiteren Kurs
An der Wall Street gehen die Einschätzungen entsprechend auseinander. Argus senkte sein Kursziel auf 280 Dollar, behält aber eine grundsätzlich positive Einschätzung bei. HSBC dagegen stufte die Aktie auf „Reduce“ zurück und siedelt das Kursziel bei nur 175 Dollar an – nahe dem aktuellen 52-Wochen-Tief. Im Analystenschnitt liegt das Kursziel bei 265,40 Dollar, bei insgesamt 15 Kauf-, 11 Halte- und einer Verkaufsempfehlung. Die Aktie handelt mit dem 17,27-Fachen der für die kommenden zwölf Monate erwarteten Gewinne und damit etwas über dem Fünf-Jahres-Median von 16,69. Die Dividendenrendite liegt bei rund 3 Prozent, die Quartalsdividende von 1,69 Dollar wird zum Ex-Tag am 10. August fällig. Bilanziell trägt IBM Schulden von 62 Milliarden Dollar bei einer Kassenposition von 8,2 Milliarden Dollar und einem Goodwill von 74,6 Milliarden Dollar.
Accenture übernimmt Bank-Anteil, Quantencomputer als Lichtblick
Auf der operativen Seite gab es gestern eine strukturelle Neuordnung: Accenture übernimmt die Mehrheitsbeteiligung, die IBM an dem 2013 gegründeten Gemeinschaftsunternehmen V-TServices mit der italienischen Großbank UniCredit hielt. IBM tritt künftig als Plattformlieferant für das Mainframe-System IBM Z auf, während Accenture die operative Führung der Banking-Infrastruktur übernimmt, die UniCredit für rund 20 Millionen Kunden in 13 Märkten nutzt.
Technologisch verweist IBM zudem auf einen Fortschritt im Quantencomputing: Der Konzern erreichte gemeinsam mit dem Partner Algorithmiq nach eigenen Angaben eine vertrauenswürdige Quantenberechnung, die über klassische Verifikationsmethoden hinausgeht – ein Meilenstein, der allerdings noch nicht extern begutachtet wurde. Für Anleger bleibt die zentrale Frage, ob solche technologischen Fortschritte das schwächelnde Mainframe-Geschäft und die eingetrübte Wachstumsprognose auf absehbare Zeit kompensieren können.
IBM-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue IBM-Analyse vom 1. August liefert die Antwort:
Die neusten IBM-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für IBM-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 1. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
IBM: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

