Starke Arbeitsmarktdaten, schwache Kurse — bei IBM klaffen Makro-Umfeld und operative Entwicklung derzeit auseinander. Ein robuster US-Jobbericht hat Technologiewerten zum Wochenausklang zugesetzt und die Papiere des IT-Konzerns um 4,52 Prozent ins Minus gedrückt. Dabei läuft die strategische Neuausrichtung auf künstliche Intelligenz auf Hochtouren.
Zinsfurcht trifft auf Aufwärtstrend
Der US-Arbeitsmarkt schuf im Mai 172.000 neue Stellen. Diese unerwartete Dynamik schürt am Markt die Sorge vor anhaltend hohen Leitzinsen. Die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung der Federal Reserve bis Jahresende wird inzwischen auf über 60 Prozent taxiert.
Bei IBM führte dies zu einem Schlusskurs von 248,15 Euro am Freitag. Der Rücksetzer relativiert sich beim Blick auf den Monatsverlauf. In den vergangenen Wochen verzeichnet das Papier immer noch ein sattes Plus von rund 29 Prozent. Die Aktie notiert damit weiterhin komfortabel über ihrer 50-Tage-Linie.
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Google-Allianz treibt das KI-Geschäft
Operativ baut der Konzern seine Position im Markt für künstliche Intelligenz massiv aus. Eine erweiterte Partnerschaft mit Google Cloud soll die sogenannte agentenbasierte Transformation beschleunigen. Dabei kombiniert IBM seine Beratungssparte mit Googles Gemini-Modellen und der eigenen Watsonx-Plattform. Ziel ist es, KI-Anwendungen aus der Testphase in den produktiven Großbetrieb zu überführen.
Das zahlt sich bereits aus. Im ersten Quartal kletterten die KI-bezogenen Umsätze im Jahresvergleich um 38 Prozent. Der adressierbare Markt für diese Dienstleistungen wird auf 1,5 Billionen US-Dollar geschätzt.
Großinvestoren stocken auf
Große Adressen positionieren sich entsprechend. Die ING Groep baute ihre Beteiligung zuletzt um über 44 Prozent aus. Parallel dazu erhöhte Capital International seine Position um gut die Hälfte, während die norwegische Zentralbank Norges Bank neu eingestiegen ist.
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Analysten ziehen mehrheitlich mit. Wedbush hob das Kursziel auf 350 US-Dollar an und verweist auf die starke Dynamik im Cloud-Geschäft. Citigroup ruft sogar 375 US-Dollar auf. Etwas defensiver agiert JPMorgan. Die US-Bank senkte ihre Zielmarke kürzlich auf 283 US-Dollar.
Störfeuer und Ausblick
Neben dem Zinsumfeld müssen Investoren ein internes Störfeuer einkalkulieren. Ein ehemaliger Manager für Cybersicherheit erhebt schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen. Er behauptet, IBM habe versucht, interne Datenlecks zu vertuschen. Marktbeobachter werten dies als potenzielles Reputationsrisiko.
Die kurzfristige Richtung der Aktie dürfte sich jedoch auf makroökonomischer Ebene entscheiden. Mitte Juni tritt die US-Notenbank zu ihrer nächsten Zinssitzung zusammen. Die dortigen Signale von Fed-Chef Jerome Powell werden den Takt für den gesamten Technologiesektor und den weiteren Kursverlauf von IBM vorgeben.
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