Jahrelang galt IBM an der Wall Street als Relikt. Ein Auslaufmodell aus der Zeit vor der Cloud. Die aktuellen Zahlen erzählen eine völlig andere Geschichte. Der Markt weiß damit noch wenig anzufangen. Bei 232,15 Euro sucht die Aktie ihre Richtung.
Die Hardware-Renaissance
Lange Zeit sahen Analysten das Mainframe-Geschäft als reine Melkkuh. Das Wachstum sollte aus der Cloud kommen. Der aktuelle z17-Zyklus widerlegt diese These eindrucksvoll. Im ersten Quartal 2026 lieferte die Infrastruktur-Sparte 3,33 Milliarden US-Dollar Umsatz. Der Treiber war ein massiver Sprung von 51 Prozent bei der Z-Mainframe-Hardware.
Das ist kein sterbendes Geschäft. Im Gegenteil. IBM erlebt einen echten Hardware-Superzyklus. Vier Quartale in Folge verdoppelte sich die ausgelieferte Rechenleistung. Der Wert der z17-Installationen im ersten Jahr übertraf das Vorgängerprogramm um mehr als eine Milliarde US-Dollar.
Die Kundenbasis ist extrem loyal. Mainframes verarbeiten 73 Prozent des weltweiten Transaktionswertes. Darunter fallen neun der zehn größten Einzelhändler. Solche Großkunden wechseln ihre Kernsysteme nicht über Nacht.
KI als Wachstumstreiber
Im Februar brach die IBM-Aktie an einem einzigen Tag um 13 Prozent ein. Der Auslöser war eine Ankündigung von Anthropic. Deren KI sollte Unternehmen helfen, alte COBOL-Codes zu modernisieren. Investoren sahen darin das Ende des Mainframes.
Die Realität sieht anders aus. IBMs eigenes Werkzeug beschleunigt die Einführung von Mainframes. Der sogenannte Watsonx Code Assistant hilft Kunden bei der Modernisierung. Generative KI zerstört das Kerngeschäft nicht. Sie treibt es an.
Der z17-Rechner ist genau dafür gebaut. Der neue Telum-II-Prozessor verarbeitet 50 Prozent mehr KI-Operationen pro Tag als sein Vorgänger. Die Architektur führt KI-Modelle direkt dort aus, wo die Daten liegen.
Laut IBM-Management verlassen über 70 Prozent der Unternehmensdaten niemals die internen Systeme. Banken leiten sensible Finanztransaktionen ungern durch öffentliche Clouds.
Der Preis der Geduld
Diese operativen Erfolge spiegeln sich kaum im Aktienkurs wider. Mit einer annualisierten Volatilität von über 66 Prozent verlangt das Papier starke Nerven. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von rund 6,6 Prozent auf der Anzeigetafel.
Zwar erholte sich der Kurs in den letzten 30 Tagen um gut 21 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 292,85 Euro Anfang Juni bleibt der Wert dennoch weit entfernt. Starke Fundamentaldaten garantieren keine kurzfristigen Gewinne.
Ein breiter Tech-Ausverkauf riss IBM am 5. Juni mit in die Tiefe. Steigende US-Anleiherenditen drückten den gesamten Sektor. In solchen Phasen fallen auch Unternehmen mit Rekordzyklen bei der Hardware.
Die offene Frage
KI zieht in die Vorstandsetagen ein. Unternehmen fordern nun sichere und messbare Ergebnisse. Modelle müssen zuverlässig mit echten Daten arbeiten. Strenge Vorgaben zu Datenschutz und Sicherheit sind Pflicht. Genau für dieses Umfeld baut IBM seine Infrastruktur.
Dennoch bremst das Management die Euphorie. IBM bestätigte lediglich den Ausblick für 2026. Der Konzern erwartet ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von über fünf Prozent. Der freie Cashflow soll um etwa eine Milliarde US-Dollar steigen.
Der Markt erhoffte sich nach dem starken Quartal eine Prognoseanhebung. Die Enttäuschung darüber ließ Anleger sofort Aktien abstoßen.
Die Diskrepanz bleibt bestehen. Operativ baut IBM das Rückgrat für sichere Unternehmens-KI. An der Börse wird der Konzern weiterhin als langsamer Infrastruktur-Dino bewertet. Solange das Management die Prognosen nicht deutlich anhebt, dürfte diese Bewertungskluft den Kurs deckeln.
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